Christus Pantokrator

Betrachtet man die älteste erhaltene Ikone von Christi Antlitz genau, passen die beiden Gesichtshälften nicht ganz zusammen —die eine ruhig, die andere eindringlich, bewusst so gemalt vor rund fünfzehnhundert Jahren, um zwei Wahrheiten zugleich in einem einzigen Bild zu halten.
Christ Pantocrator
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Ein Titel, den die Schrift direkt auf Gott anwendet

"Pantokrator" ist keine spätere theologische Erfindung, die der christlichen Kunst aufgesetzt wurde —es ist die Übersetzung eines Titels, den die Schrift selbst verwendet. Die Offenbarung berichtet, wie Gott erklärt: "Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung" (Offenbarung 1:8, Einheitsübersetzung) —wobei "Herrscher über die ganze Schöpfung" das griechische Wort pantokrator wiedergibt, wörtlich "Herrscher über alles". Denselben Titel auf ein Bild Christi anzuwenden, ist im Grunde eine visuelle Aussage über seine Identität: nicht bloß ein Lehrer oder ein Heiler, sondern jener, den die Offenbarung mit genau diesem Wort neben Gott stellt.

Eine uralte, verwitterte Ikone Christi mit goldenem Heiligenschein und dunklem Haar, deren Gesichtsausdruck zwischen beiden Gesichtshälften asymmetrisch ist.

Christus-Pantokrator-Ikone, 6. Jahrhundert, Katharinenkloster, Sinai — gemeinfrei.

Das älteste erhaltene Antlitz Christi

Unter den zahllosen Ikonen, die dieser Titel inspirierte, sticht eine allein dadurch hervor, dass sie überlebt hat. Gemalt im 6. Jahrhundert in Enkaustik —einer Heißwachstechnik, die nach späteren byzantinischen Kontroversen um die Ikonenmalerei aus dem allgemeinen Gebrauch verschwand— ist der Sinai-Christus-Pantokrator die älteste bekannte Christus-Ikone überhaupt. Ihr Überleben verdankt sie ganz und gar ihrem Standort: bewahrt im abgelegenen Katharinenkloster in der Sinai-Wüste, entging sie der umfassenden Zerstörung religiöser Bilder während der byzantinischen Bilderstürme zwischen 726 und 815 n. Chr. —einem Schicksal, dem fast alle vergleichbaren, zuvor entstandenen Ikonen zum Opfer fielen.

Zwei Gesichter in einem

Betrachtet man die Ikone genau, wird etwas Ungewöhnliches sichtbar: Die beiden Gesichtshälften Christi passen nicht ganz zusammen. Kunsthistoriker deuten diese Asymmetrie als beabsichtigt, nicht als Zufall —eine Seite ruhiger und gelassener gestaltet, die andere suchender und eindringlicher. Das Ergebnis ist ein einziges Antlitz, das zwei Naturen zugleich tragen soll: Die flachere, zweidimensionalere Seite vermittelt göttliche Transzendenz, die plastischere, dreidimensionalere Seite vermittelt volle, gewöhnliche Menschlichkeit —beide vereint in der hypostatischen Union, die im Zentrum der christlichen Lehre über Christi Wesen steht.

Segen und Buch, zusammengehalten

Kompositorisch zeigt die Ikone Christus, wie er mit erhobener rechter Hand segnet, während er in der linken ein geschlossenes Evangelienbuch hält —eine zugängliche Geste, gepaart mit dem Gewicht des geschriebenen Wortes, das er verkörpert. Es ist eine Kombination, die sich seither in nahezu jedem Pantokrator-Bild wiederfindet, in Mosaiken, Fresken und Ikonen über die gesamte christliche Welt hinweg, deren grundlegende visuelle Grammatik alle auf diese einzige, verwitterte Tafel zurückgeht, die dreizehn Jahrhunderte überdauerte, einfach indem sie an einem Ort war, an dem niemand daran dachte, sie zu zerstören.

Trivia

Was bedeutet 'Pantokrator'?
Es kommt vom griechischen Wort für "Herrscher über alles" —demselben Titel, den die Offenbarung direkt auf Gott anwendet: "Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung" (Offenbarung 1:8), wobei "Herrscher über die ganze Schöpfung" das griechische pantokrator wiedergibt.
Warum gilt die Sinai-Ikone als so bedeutsam?
Es ist die älteste bekannte Ikone Christi Pantokrator, im 6. Jahrhundert in Enkaustik-Technik (heißes Wachs) gemalt und im Katharinenkloster in der Sinai-Wüste bewahrt —ein abgelegener Ort, der es ihr ermöglichte, die weitreichende Zerstörung von Ikonen während der byzantinischen Bilderstürme (726-815 n. Chr.) zu überstehen.
Warum sehen die beiden Gesichtshälften Christi in der Ikone unterschiedlich aus?
Kunsthistoriker deuten die Asymmetrie als bewusst: eine Seite ruhig und gelassen gestaltet, die andere strenger und eindringlicher —zusammen drücken sie Christi doppelte Natur als zugleich vollkommen göttlich und vollkommen menschlich aus, vereint in einer einzigen Gestalt.
Was hält und tut Christus im Bild?
Er ist dargestellt, wie er mit der rechten Hand segnet, während er in der linken ein geschlossenes Evangelienbuch hält —eine Komposition, die eine Geste zugänglichen Segens mit dem Gewicht des geschriebenen Wortes verbindet, das er verkörpert.
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