Die Hochzeit zu Kana

Jesu erstes überliefertes Wunder ist keine Heilung, kein Exorzismus und keine Auferweckung. Es ist eine Hochzeit, auf der der Wein ausgeht —eine rein gesellschaftliche Krise, die eher eine Familie in Verlegenheit bringt, als ein Leben zu bedrohen— und er greift nur ein, weil seine Mutter nicht lockerlässt.
The Wedding at Cana
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Eine Hochzeit, keine Frage von Leben und Tod

Verglichen mit den Wundern, die in den Evangelien folgen —Heilung von Blinden, Beruhigung von Stürmen, Erweckung von Toten— beginnt die Hochzeit zu Kana mit einem auffallend kleinen Problem: Der Wein ist ausgegangen. Johannes hält die Szene schlicht fest: "Als der Wein ausging," bringt Jesu Mutter das Problem direkt zu ihm (Johannes 2:3, Einheitsübersetzung). Nichts an der Situation ist gefährlich. Es ist, höchstens, eine gesellschaftliche Peinlichkeit für ein frisch verheiratetes Paar und ihre Familien —was dies zu einem bewusst ungewöhnlichen Ort macht, an dem das Johannesevangelium das allererste Zeichen ansiedelt, wer Jesus ist.

Ein barockes Gemälde eines überfüllten Hochzeitsbanketts, mit Dienern, die im Vordergrund Wasser aus großen Krügen gießen, während Jesus am Tisch sitzt.

Bartolomé Esteban Murillo, "Das Hochzeitsmahl zu Kana," 17. Jahrhundert — gemeinfrei.

"Was er euch sagt, das tut!"

Jesu eigene Reaktion ist auffallend zurückhaltend: "Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen" (Johannes 2:4, Einheitsübersetzung) —eine Formulierung, die nahelegt, dass er diesen Moment nicht für den Beginn seiner Selbstoffenbarung hält. Seine Mutter widerspricht nicht. Sie wendet sich einfach an die Diener und sagt: "Was er euch sagt, das tut!" (Johannes 2:5, Einheitsübersetzung) —eine Anweisung, die davon ausgeht, dass er handeln wird, ungeachtet dessen, was er gerade gesagt hat. Es ist einer der wenigen Momente in den Evangelien, in denen die Zuversicht einer anderen Person in Jesus seinem eigenen erklärten Zeitplan sichtbar voraus ist —und die Geschichte stellt sich auf ihre Seite.

Gewöhnliches Wasser, außergewöhnliche Menge

Was als Nächstes geschieht, wird mit sorgfältiger, fast alltäglicher Genauigkeit beschrieben: sechs steinerne Krüge, die für die zeremonielle Waschung dienten, jeder mit einem Fassungsvermögen von ungefähr hundert Litern, auf Jesu Anweisung mit einfachem Wasser gefüllt (Johannes 2:6-7, Einheitsübersetzung). Als es herausgeschöpft und gekostet wird, ist der für das Festmahl Verantwortliche überrascht —nicht weil es zu Wein geworden ist, sondern weil es besser ist als das zuvor Servierte: "Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt" (Johannes 2:10, Einheitsübersetzung). Die schiere Menge, weit über hundert Liter nach jeder Schätzung, wird oft weniger als Behebung eines einzigen Abendmangels gelesen und mehr als Zeichen für das Ausmaß der Fülle, die Jesu Gegenwart mit sich bringt —weit mehr, als die unmittelbare Not erforderte.

Warum Johannes es das erste "Zeichen" nennt

Johannes schließt den Bericht mit einer Zeile, die alles Vorherige neu rahmt: "So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn" (Johannes 2:11, Einheitsübersetzung). Das Johannesevangelium verwendet durchgängig "Zeichen" statt "Wunder" für diese Ereignisse und behandelt jedes als Hinweis auf Jesu Identität, nicht bloß als Machtdemonstration. Dass ein Weinmangel bei einer Hochzeit der Ort war, an dem dieses Muster begann —still, häuslich, veranlasst durch seine Mutter statt durch die Verzweiflung einer Menge— hat Kana zu einer bleibenden Erinnerung daran gemacht, dass seine erste öffentliche Tat eine der Großzügigkeit in einem völlig gewöhnlichen Rahmen war.

Trivia

Was geschieht bei der Hochzeit zu Kana wirklich?
Der Wein geht mitten im Fest aus. Jesu Mutter sagt es ihm, und nach anfänglichem Zögern lässt er die Diener sechs große steinerne Krüge mit Wasser füllen, das dann schon zu Wein geworden herausgeschöpft wird —beschrieben als besser als das zuvor Servierte (Johannes 2:1-10).
Warum wirkt Jesus zunächst zögerlich zu helfen?
Er sagt zu seiner Mutter: "Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen" (Johannes 2:4) —eine Antwort, die zurückhaltend klingt, doch sie handelt trotzdem und sagt den Dienern: "Was er euch sagt, das tut!" (Johannes 2:5), offenbar überzeugt, dass er handeln wird.
Warum nennt Johannes dieses Ereignis ein 'Zeichen' statt ein Wunder?
Das Johannesevangelium rahmt Jesu Wunder durchgängig als Zeichen, die auf seine Identität verweisen, statt als bloße Machterweise: "So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn" (Johannes 2:11).
Hat die Menge des erzeugten Weins eine Bedeutung?
Die sechs Krüge fassten jeweils "ungefähr hundert Liter" (Johannes 2:6) —das Wunder brachte also weit mehr hervor, als eine Hochzeit mit knappem Wein tatsächlich benötigt hätte, was oft als Hinweis auf die schiere Fülle gelesen wird, die Jesus mitbringt.
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