Der heilige Dominikus

Bücher verkauft während einer Hungersnot
Lange bevor er irgendetwas gründete, zeigte Dominikus schon den Instinkt, der sein späteres Wirken prägen sollte. Als Student in Palencia, während einer schweren Hungersnot, verkaufte er seine eigenen Bücher —sein wichtigstes Studienwerkzeug, und keineswegs billig zu ersetzen— und gab das Geld, um Hungernde zu speisen. Danach befragt, soll er geantwortet haben, er habe kein Interesse daran, "auf totem Leder zu studieren, während Menschen verhungern." Es ist eine kleine Episode, doch sie nimmt genau die Art von praktischem, unsentimentalem Glauben vorweg, der später einen ganzen Orden prägen sollte.
Carlo Crivelli, "Der heilige Dominikus," c. 1485-1490 — gemeinfrei.
Ein Orden, gebaut, um zu argumentieren, nicht nur um sich zurückzuziehen
Bis 1216 hatte sich Dominikus einem konkreten Problem zugewandt: der Ausbreitung der Albigenser-Häresie in ganz Südfrankreich und der weitgehend wirkungslosen Antwort der Kirche darauf. Seine Lösung war der Predigerorden —eine neue Art religiöser Gemeinschaft, die die Disziplin des klösterlichen Lebens mit aktiver, engagierter Predigt und Lehre unter gewöhnlichen Gemeinden verband, statt sich von ihnen zurückzuziehen. Papst Honorius III. bestätigte den Orden 1216 formell und gab den Dominikanern einen Auftrag, der eigens auf Überzeugung und Belehrung ausgerichtet war.
Eine Vision in Prouille
Die dominikanische Überlieferung führt eine der beständigsten Praktiken des Ordens auf eine Vision zurück, die Dominikus 1208 in der Kirche von Prouille hatte, in der ihm die Jungfrau Maria erschien und ihm den Rosenkranz schenkte. Das Gebet in einfacherer Form existierte schon vor Dominikus' Zeit, doch den Dominikanern wird weithin die anhaltende Arbeit zugeschrieben, es popularisiert und verbreitet zu haben —und so eine fromme Praxis in eine der erkennbarsten Formen katholischen Gebets weltweit verwandelt zu haben.
Heiligsprechung innerhalb einer Generation
Dominikus starb 1221 in Bologna, nur wenige Jahre nachdem sein Orden die päpstliche Bestätigung erhalten hatte. Die Kirche handelte ungewöhnlich rasch, um ihn anzuerkennen: Papst Gregor IX., der Dominikus persönlich gekannt hatte, sprach ihn nur dreizehn Jahre später, 1234, heilig. Es war eine schnelle Bestätigung eines Lebens, das weniger von einzelnen spektakulären Wundern geprägt war als von einem beständigen, praktischen Instinkt zum Handeln —demselben Instinkt, der einen Studenten einst dazu gebracht hatte, seine Bücher zu verkaufen, statt zuzusehen, wie seine Nachbarn hungerten.
Trivia
Was tat Dominikus während seiner Studienzeit, das seinen Charakter offenbarte?
Warum gründete Dominikus den Predigerorden?
Welche Verbindung besteht zwischen Dominikus und dem Rosenkranz?
Wie schnell wurde Dominikus nach seinem Tod heiliggesprochen?



