Johannes der Täufer

Eine in Abgeschiedenheit vorbereitete Stimme
Als Johannes der Täufer als Erwachsener in den Evangelien erscheint, hat er bereits eine nicht näher bestimmte Anzahl von Jahren abseits der gewöhnlichen Gesellschaft verbracht, in der Wüste von Judäa, von Heuschrecken und wildem Honig lebend und Kleidung aus Kamelhaar tragend. Nichts an seinem Erscheinungsbild oder seiner Ernährung ist beiläufig — es erinnert bewusst an die strenge, kompromisslose Gestalt des Propheten Elia und signalisiert jedem, der mit den hebräischen Schriften vertraut ist, genau, welche Art von Gestalt da heranwuchs, bevor er auch nur ein Wort sagt.
Caravaggio, "Johannes der Täufer in der Wildnis," um 1604 — gemeinfrei.
Eine Botschaft, die ihre eigene Bescheidenheit benennt
Als Johannes tatsächlich zu predigen beginnt, ist der Inhalt unverblümt: "Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!" (Matthäus 3,2, Schlachter 2000). Matthäus achtet darauf, dies nicht als Johannes' eigene Idee darzustellen, sondern als Erfüllung von etwas, das Jahrhunderte zuvor geschrieben wurde: "Das ist der, von welchem geredet wurde durch den Propheten Jesaja, der spricht: Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben!" (Matthäus 3,3, Schlachter 2000). Die Beschreibung ist bewusst selbstverleugnend — Johannes ist nicht die Botschaft, er ist die Stimme, die Raum für eine andere schafft. Diese Haltung bestimmt alles, was er danach tut.
Auf jemand anderen zeigen
Das klarste Bild von Johannes' Selbstverständnis ergibt sich in dem Moment, in dem Jesus sich ihm am Jordan nähert. Statt sich selbst in den Mittelpunkt der Szene zu stellen, lenkt Johannes die Aufmerksamkeit sofort um: "Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!" (Johannes 1,29, Schlachter 2000). Es ist eine der meistzitierten Zeilen im gesamten Johannesevangelium, und sie funktioniert gerade deshalb, weil sie von dieser Person gesagt wird — ein Mann mit einer eigenen, beträchtlichen Anhängerschaft, bereits als bedeutende religiöse Gestalt aus eigenem Recht bekannt, der seine Autorität in diesem Moment für nichts anderes einsetzt, als von sich selbst wegzuzeigen.
Ein Tod, der zum Leben passte
Johannes' Wirken endet so unverblümt, wie es begann: von Herodes Antipas gefangen genommen, weil er dessen Ehe öffentlich verurteilte, dann enthauptet, nachdem die Stieftochter des Herodes, von ihrer Mutter angestiftet, seinen Kopf als Preis für einen bei einem Geburtstagsbankett aufgeführten Tanz forderte. Es gibt kein ausgehandeltes Ende, keinen stillen Ruhestand — nur ein direktes, kompromissloses Leben, das auf ein direktes, kompromissloses Ende trifft. Die christliche Kunst hat ihn oft lieber nicht in diesem letzten Moment dargestellt, sondern früher, allein in der Wüste, genau dort, wo seine Geschichte begann: eine einsame Gestalt, die die schwierige, unglamouröse Arbeit verrichtet, sich auf die Ankunft eines anderen vorzubereiten.


