Jesus Christus, der Hohepriester

Ein Priestertum, erbaut auf Erhabenheit und Solidarität zugleich
Von allen Schriften des Neuen Testaments liefert der Hebräerbrief das ausführlichste Argument dafür, Jesus eigens als Priester zu verstehen. Er eröffnet den Fall mit einer auffälligen Gegenüberstellung: "Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten" (Hebräer 4:14, Einheitsübersetzung). Das hier beschriebene Priestertum ist von Anfang an ungewöhnlich —kein fernes, zeremonielles Amt, sondern Grund für die eigene Zuversicht und das Durchhaltevermögen der Hörenden.
Christus, der Große Hohepriester, Ikone aus dem 18. Jahrhundert, Antivouniotissa-Museum, Korfu — CC BY-SA 4.0, Foto von GualdimG.
Ein Priester, der tatsächlich erfahren hat, wofür er eintritt
Was dieses Priestertum am deutlichsten von dem levitischen Priestertum unterscheidet, dem es nachfolgt, ist ein Anspruch geteilter Erfahrung: "Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat" (Hebräer 4:15, Einheitsübersetzung). Das Argument lautet nicht, Jesus beobachte menschliche Schwäche aus der Ferne. Es lautet, dass er von denselben Belastungen geprüft wurde wie jeder andere Mensch, ohne die Folge der Sünde, die daraus gewöhnlich folgt —ein Priester, dessen Mitgefühl auf unmittelbarer Erfahrung beruht, nicht auf distanzierter Autorität.
Ein Priestertum, älter als Israels eigene priesterliche Linie
Um zu begründen, warum dieses Priestertum das traditionelle levitische übertrifft, stützt sich der Hebräerbrief auf Psalm 110 und argumentiert, das Priestertum des Messias folge "der Ordnung Melchisedeks" —eines Priesterkönigs aus dem Buch Genesis, der dem gesamten levitischen System zeitlich vorausgeht. Indem er Christi Priestertum auf eine Gestalt zurückführt, die älter ist als Israels eigene priesterliche Abstammung, argumentiert der Brief für ein Priestertum, das das Vorherige nicht bloß fortsetzt, sondern übertrifft, und das, im Verständnis des Verfassers, ein endgültiges Opfer bietet statt der wiederholten Darbringungen, die das alte System verlangte.
Eine Einladung, kein bloßer Titel
Das ganze Argument endet auf einer auffallend praktischen Note: "Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit" (Hebräer 4:16, Einheitsübersetzung). Der Sinn, Christi Priestertum in solch sorgfältiger theologischer Genauigkeit zu beschreiben, ist keine abstrakte Lehre um ihrer selbst willen —es ist Erlaubnis. Ein Hohepriester, der die Versuchung persönlich erfahren hat, ist, so argumentiert der Text, genau die Art von Priester, an den sich jemand in Not ohne Zögern wenden sollte.
Trivia
Was bedeutet es, dass Jesus ein 'erhabener Hohepriester' ist?
Warum wird Jesu Priestertum als mitfühlend gegenüber menschlicher Schwäche beschrieben?
Was bedeutet die 'Ordnung Melchisedeks' im Zusammenhang mit Christi Priestertum?
Was ist die praktische Folge, einen solchen Hohepriester zu haben?



