Die Taufe Jesu

Ein Einwand, den Johannes nicht ganz überwinden kann
Als Jesus am Jordan ankommt, tauft Johannes bereits seit einiger Zeit Menschenmengen und ruft sie zur Umkehr vor dem Kommen des Messias auf. Als Jesus darum bittet, zusammen mit ihnen getauft zu werden, zögert Johannes: "Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?" (Matthäus 3:14, Einheitsübersetzung). Es ist ein vernünftiger Einwand —Johannes' Taufe existiert genau deshalb, weil Menschen umkehren müssen, und nach jedem Bericht der Evangelien tut Jesus dies nicht. Die Bitte läuft direkt der Logik dessen zuwider, was Johannes sein ganzes Wirken lang getan hat.
Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci, "Die Taufe Christi," c. 1475 — gemeinfrei.
"Um die Gerechtigkeit ganz zu erfüllen"
Jesu Antwort argumentiert nicht, dass Johannes falsch liege. Sie rahmt den gesamten Zweck der Handlung neu: "Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen" (Matthäus 3:15, Einheitsübersetzung). Statt die Taufe als persönliches Bedürfnis zu behandeln, stellt Jesus sie als etwas dar, das er zusammen mit den Menschen unternimmt, mit denen er sich identifizieren wollte —ein bewusster Akt der Solidarität statt eines Bekenntnisses einer Sünde, die er nicht hat. Johannes, so hält der Text schlicht fest, "gab nach" (Matthäus 3:15, Einheitsübersetzung), und die Taufe findet statt.
Der Himmel öffnet sich, und alle drei erscheinen zugleich
Was als Nächstes geschieht, ist einer der theologisch dichtesten Momente der Evangelien, komprimiert in zwei kurze Verse: "Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe" (Matthäus 3:16-17, Einheitsübersetzung). In einer einzigen Szene steht der Sohn im Wasser, der Geist steigt sichtbar als Taube herab, und die Stimme des Vaters spricht aus einem geöffneten Himmel —drei Personen, gegenwärtig und gemeinsam handelnd, in einem Moment, zu dem die christliche Tradition immer wieder zurückgekehrt ist als eines ihrer klarsten Bilder der Dreifaltigkeit.
Warum die Flussszene weiterhin bedeutsam ist
Anders als viele der Wunder, die in Jesu Wirken folgen, geht es bei der Taufe nicht in erster Linie um Macht oder Heilung —es geht um Identität und Anfang. Sie markiert die formelle Eröffnung seines öffentlichen Wirkens, im Bericht des Matthäus unmittelbar gefolgt von seinen vierzig Tagen in der Wüste. Maler von Verrocchio und Leonardo an haben immer wieder dieselbe grundlegende Komposition aufgegriffen: Jesus, ruhig im Fluss stehend, die Hände gefaltet, während oben am Himmel etwas Gewaltiges geschieht —ein Moment von tiefer Bedeutung, dargestellt mit fast keinem äußeren Drama.
Trivia
Warum versuchte Johannes der Täufer, sich zu weigern, Jesus zu taufen?
Warum bestand Jesus trotzdem darauf, getauft zu werden?
Was geschah unmittelbar, nachdem Jesus getauft wurde?
Warum gilt diese Szene als theologisch bedeutsam?



