Der heilige Simon der Zelot

Ein Name auf einer Liste, und sonst wenig
Unter den zwölf Aposteln gehört Simon zu den am wenigsten dokumentierten. Er wird namentlich in den Apostellisten der Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas genannt, und erneut in der Apostelgeschichte —stets in derselben kurzen Aufzählung, stets neben denselben elf Gefährten, und kein einziges Mal im Zentrum einer eigenen Szene, eines Ausspruchs oder eines Wunders, das irgendwo im Neuen Testament überliefert wäre. Welche Rolle er auch unter den Zwölfen gespielt haben mag, sie hinterließ in der Schrift keine eigene Spur außer seiner Nennung auf der Liste selbst.
Anthonis van Dyck, "Der Apostel Simon," 1618 — gemeinfrei.
Ein Beiname, komplizierter als er klingt
Was überliefert ist, ist sein Beiname: "der Zelot," die Übertragung eines aramäischen Wortes mit genau dieser Bedeutung. Es liegt nahe, darin einen Bezug zu den Zeloten zu sehen, jener jüdischen politischen Bewegung, die später einen bewaffneten Aufstand gegen Rom anführen sollte —doch Gelehrte mahnen zur Vorsicht: Der Beiname beschreibt wahrscheinlicher Simons Eifer für die Einhaltung des jüdischen Gesetzes vor seiner Berufung, nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Fraktion. Selbst sein prägendstes Kennzeichen, mit anderen Worten, entzieht sich einer einfachen Erklärung.
Ein Wirken, das nur in späterer Überlieferung fortlebt
Was die Stille der Schrift füllt, ist spätere Überlieferung, wonach Simon in Ägypten predigte, bevor er sich schließlich dem Apostel Judas Thaddäus auf einer gemeinsamen Mission nach Persien anschloss —demselben Gebiet, und oft denselben legendären Berichten, die auch mit Judas' eigenem späteren Wirken verbunden werden. Die beiden werden in Kunst und Überlieferung häufig gemeinsam dargestellt, gerade wegen dieser geteilten, größtenteils undokumentierten missionarischen Partnerschaft.
Ein Martyrium, auf zwei verschiedene Arten überliefert
Selbst Simons Tod entzieht sich einer einzigen klaren Darstellung. Eine apokryphe Überlieferung, die Passion des Simon und Judas, besagt, er sei in Persien durch Zersägen zu Tode gebracht worden —ein Bild von solcher Brutalität, dass es zu seinem bleibenden Attribut in der Kunst wurde und ihm die Schutzherrschaft über Holzarbeiter, Sägewerker und Gerber einbrachte. Der heilige Basilius der Große hingegen behauptete an anderer Stelle, Simon sei stattdessen friedlich in Edessa gestorben. Zwischen den beiden Berichten hat sich, wie bei fast allem anderen über Simon, nie eine Version endgültig durchgesetzt —sodass einer der zwölf Apostel vor allem durch die Fragen in Erinnerung bleibt, die seine spärliche Überlieferung offenlässt.
Trivia
Was bedeutet 'der Zelot' als Beiname für Simon?
Was berichten die Evangelien tatsächlich über Simon?
Wo soll Simon nach der Auferstehung gepredigt haben?
Wie starb Simon?



