Der heilige Leonhard von Porto Maurizio
Vier Jahrzehnte unterwegs
Leonhard wurde 1676 in Porto Maurizio an der italienischen Riviera geboren und trat als junger Mann in den Franziskanerorden ein. Was sein weiteres Leben bestimmte, war das ständige Reisen: Mehr als vierzig Jahre lang predigte er Volksmissionen quer durch Italien, zog von Stadt zu Stadt und hielt jene intensiven, erweckungsähnlichen Predigten, die den Glauben von Katholiken wiederbeleben sollten, deren religiöse Praxis nachlässig oder zur bloßen Routine geworden war. Es war anstrengende, sich wiederholende Arbeit ohne feste Gemeinde und ohne festen Wohnsitz — und Leonhard hielt jahrzehntelang daran fest.
Clarice Vasini, „San Leonardo da Porto Maurizio“, 1763, ursprünglich aus der Kirche San Paolo in Monte dell'Osservanza — gemeinfrei.
Eine Andacht, die er von Stadt zu Stadt trug
Wo immer Leonhard predigte, hinterließ er meist etwas Greifbares: einen Kreuzweg, jene vierzehnteilige Bildfolge, die den Weg Christi zur Kreuzigung nachzeichnet, aufgestellt in der örtlichen Kirche oder an einem markanten öffentlichen Ort. Er tat dies so beharrlich und an so vielen Orten, dass die Überlieferung ihm die Errichtung von Kreuzwegen an mehr als 500 verschiedenen Stätten im Laufe seiner Predigerlaufbahn zuschreibt. Diese schiere Wiederholung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die moderne Form der Andacht — vierzehn Stationen, in einer festen Abfolge, heute praktisch in jeder katholischen Kirche zu finden — so viel der Gewohnheit eines einzigen wandernden Mönchs verdankt, überall, wo er hinkam, ein greifbares Zeichen der Erinnerung zu hinterlassen.
Im Kolosseum
Der eindrücklichste Moment ereignete sich 1750, als Leonhard einen Kreuzweg im römischen Kolosseum selbst errichtete — einem Bauwerk, das im Volksbewusstsein bereits eine tiefe symbolische Verbindung zum Martyrium der frühen Christen trug. Die Andacht dort zu verankern, war nicht bloß eine Frage der Bequemlichkeit oder Sichtbarkeit; sie verband sein umfassenderes Vorhaben, den Kreuzweg zu verbreiten, unmittelbar mit Roms eigener, vielschichtiger christlicher Erinnerung — in einem der bekanntesten Bauwerke der Welt.
Anerkennung lange nach seinem Tod
Leonhard starb 1751 in Rom. Er wurde 1796 seliggesprochen und 1867 heiliggesprochen, weit über ein Jahrhundert nach seinem Tod — zu diesem Zeitpunkt war die von ihm über sein ganzes Leben hinweg verbreitete Andachtspraxis bereits fest im gewöhnlichen katholischen Gemeindeleben Italiens und darüber hinaus verankert. Sein Gedenktag wird in den meisten Kalendern am 26. November begangen, wenige verzeichnen ihn einen Tag später, am 27. November. Ein weithin anerkanntes Patronat trägt sein Name nicht, doch sein ganz praktischer, unmittelbarer Einfluss darauf, wie Katholiken heute den Kreuzweg tatsächlich beten, ist kaum zu überschätzen.






