Die Heilige Johanna von Orléans

Stimmen, denen man einem jungen Bauernmädchen glaubte
Johanna von Orléans wuchs in Domrémy auf, einem kleinen Dorf im Nordosten Frankreichs, während einer der dunkelsten Phasen des Hundertjährigen Krieges, als weite Teile des Landes unter englischer Kontrolle standen und der rechtmäßige Erbe des französischen Throns, Karl VII., noch nicht gekrönt worden war. Als Teenager berichtete Johanna, Stimmen gehört und Visionen erlebt zu haben, die sie dem heiligen Michael, der heiligen Katharina von Alexandrien und der heiligen Margareta von Antiochia zuschrieb und die ihr sagten, Karl zu unterstützen und mitzuhelfen, die Engländer zu vertreiben. Bemerkenswert ist nicht nur, dass ein siebzehnjähriges Bauernmädchen dies behauptete — es ist, dass der königliche Hof nach echter Prüfung sich entschied, ihr genug zu glauben, um danach zu handeln.
John Everett Millais, "Johanna von Orléans," 1865 — gemeinfrei.
Vom Dorfmädchen zur Anführerin auf dem Schlachtfeld
1429 reiste Johanna zur belagerten Stadt Orléans und spielte eine zentrale Rolle beim Durchbrechen der englischen Belagerung — ein Wendepunkt im Krieg, der jahrelange französische Verluste fast über Nacht umkehrte. Sie begleitete die französischen Streitkräfte weiterhin durch weitere Siege, und innerhalb weniger Monate wurde Karl VII. in Reims gekrönt, genau wie ihre Stimmen es angeblich vorausgesagt hatten. Ihre Autorität in diesen Feldzügen rührte weniger von formalem militärischem Rang her als von der schieren Überzeugung, die sie ausstrahlte, und der Moral, die diese Überzeugung den Soldaten um sie herum sichtbar verlieh.
Gefangen genommen, verurteilt und mit neunzehn Jahren hingerichtet
Johannas Erfolg war von kurzer Dauer. Sie wurde 1430 von mit England verbündeten burgundischen Streitkräften gefangen genommen und an ein mit englischen Interessen verbundenes Kirchengericht übergeben, unter Anklagen, die Ketzerei und das Tragen von Männerkleidung umfassten. Der Prozess war von Anfang an politisch motiviert und darauf ausgerichtet, den König, dem sie zur Krönung verholfen hatte, zu diskreditieren, indem man sie diskreditierte. Sie wurde am 30. Mai 1431 in Rouen im Alter von etwa neunzehn Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Ein aufgehobenes Urteil, und eine Heiligsprechung Jahrhunderte später
Die Geschichte endet nicht auf dem Scheiterhaufen. 1456 untersuchte ein von der Kirche angeordnetes Wiederaufnahmeverfahren die Führung des ursprünglichen Prozesses und erklärte das Urteil vollständig für nichtig, indem es Johanna für unschuldig erklärte. Die formelle Heiligsprechung sollte weit länger auf sich warten lassen — Papst Benedikt XV. sprach sie am 16. Mai 1920 heilig, fast fünf Jahrhunderte nach ihrem Tod. Heute wird sie als Patronin Frankreichs geehrt, ein Bauernmädchen, dessen behauptete Visionen lange genug geglaubt wurden, um den Verlauf eines Krieges zu verändern, und deren Hinrichtung die Kirche selbst später eine Ungerechtigkeit nennen sollte.


