Die heilige Mary MacKillop
Eine Kindheit in Melbourne, und eine Berufung zum Lehren
Mary MacKillop wurde am 15. Januar 1842 in Fitzroy, einem Vorort von Melbourne, Australien, geboren, als älteste von acht Kindern einer Familie, die einen Großteil ihrer frühen Jahre mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte. Als Teenager und junge Erwachsene arbeitete sie als Gouvernante und Lehrerin und entwickelte ein starkes Interesse an Bildung für Kinder, die kaum Zugang dazu hatten — ein Anliegen, das den Rest ihres Lebens prägen sollte. 1866 gründete sie in der kleinen südaustralischen Stadt Penola gemeinsam mit dem katholischen Priester Pater Julian Tenison Woods eine neue Ordenskongregation: die Josephsschwestern vom Heiligsten Herzen, informell, nach den schlichten braunen Habits der Schwestern, „Brown Joeys“ genannt.
Unbekannter Fotograf, Fotografie von Mary MacKillop, 1890, State Library of South Australia — gemeinfrei.
Schulen für Kinder, die nicht zahlen konnten
Die Mission der Josephiten war spezifisch und für ihre Zeit bemerkenswert egalitär: die Bildung armer Kinder, besonders im ländlichen und entlegenen Australien, in Schulen, die unabhängig von der Zahlungsfähigkeit der Familie offenstanden. Der Orden wuchs rasch, und schon innerhalb weniger Jahre führten MacKillop und ihre Schwestern zahlreiche Schulen in ganz Südaustralien und darüber hinaus, die Kinder in entlegenen Gemeinden erreichten, die sonst kaum Zugang zu formaler Bildung hatten. Es ist eine Mission, welche die Josephsschwestern noch heute fortsetzen, mehr als anderthalb Jahrhunderte nach Penola.
1871 exkommuniziert
1871 exkommunizierte Bischof Laurence Sheil von Adelaide Mary MacKillop — eine reale, gut dokumentierte Episode ihres Lebens, keine Fußnote, die man übergehen sollte. Die Umstände waren wirklich verwickelt: Es hatte sich Spannung darüber aufgebaut, wie viel Unabhängigkeit ihre Kongregation von der direkten bischöflichen Kontrolle haben sollte, und in dieselbe Zeit fiel auch die Meldung eines Falls von sexuellem Missbrauch eines Kindes durch einen Priester durch ihren Orden — ein Umstand, der in seriöser moderner Rückschau auf ihr Leben offen behandelt wird. Die kirchlichen Behörden ermittelten in Sachen der Exkommunikation und fanden keinerlei Rechtfertigung dafür; sie wurde binnen weniger Monate aufgehoben, und später wurde anerkannt, dass MacKillop damit Unrecht geschehen war. Man erinnert sich heute an diese Episode nicht als Skandal an ihrem Namen, sondern als Beleg für eine Integrität, die selbst unter förmlicher kirchlicher Zensur standhielt — und am Ende rehabilitiert wurde.
Fortsetzung des Werks
Die späteren Jahrzehnte MacKillops waren geprägt von anhaltender Spannung zwischen der Ordensregel ihrer Kongregation — die die Autorität in eine einzige Generaloberin legte statt in die direkte Kontrolle einzelner Ortsbischöfe — und verschiedenen Bischöfen, die mehr Mitspracherecht über die in ihren Diözesen tätigen Schwestern wollten. Sie reiste ausgiebig, unter anderem nach Rom, um die förmliche päpstliche Anerkennung der Konstitutionen der Josephiten zu erwirken — Arbeit, die die langfristige Unabhängigkeit des Ordens und seine besondere Mission schützen half. Sie leitete und erweiterte die Kongregation weiter, bis sie 1902 ein Schlaganfall teilweise lähmte; sie starb am 8. August 1909 in North Sydney.
Australiens erste Heilige
Papst Benedikt XVI. sprach Mary MacKillop am 17. Oktober 2010 heilig und machte sie damit zur ersten von der katholischen Kirche jemals heiliggesprochenen Australierin — ein Meilenstein von echter und bis heute anhaltender nationaler Bedeutung im religiösen und öffentlichen Leben Australiens. Ihr Gedenktag wird am 8. August begangen, dem Jahrestag ihres Todes. Man erinnert sich heute an sie als eine der Gründungsgestalten der katholischen Bildung in Australien und, informell, als Patronin des Landes neben Unserer Lieben Frau, Hilfe der Christen, der offiziell ernannten Landespatronin, während die von ihr gegründeten Josephsschwestern ihre ursprüngliche Mission bis heute weiterführen.






