Der heilige Johannes Baptist de La Salle
Ein Domherr, der sich für das Klassenzimmer entschied
Johannes Baptist de La Salle wurde 1651 in Reims geboren, in eine Familie, die wohlhabend und gut vernetzt genug war, um ihm ein Kanonikat an der Kathedrale der Stadt zu sichern — eine bequeme, angesehene kirchliche Stellung mit vorhersehbarer Zukunft. Nichts an seiner Herkunft deutete auf die Gründung von Schulen für arme Kinder hin. Doch der Kontakt mit einer Gruppe von Lehrern, die mit Armen arbeiteten, zog ihn immer tiefer in die Bildungsarbeit hinein, bis er schließlich sowohl sein Kanonikat als auch sein Familienerbe vollständig aufgab und beschloss, unter den Lehrern zu leben, die er ausbildete, statt ihre Arbeit aus bequemer Distanz zu leiten.
Glasfenster-Medaillon des heiligen Johannes Baptist de La Salle, Kirche Saint-Sulpice, Paris — gemeinfrei.
Der erste Lehrorden ohne Priester
1680 nahm dieses Engagement institutionelle Gestalt an: La Salle gründete die Schulbrüder, eine Ordensgemeinschaft, die sich vollständig dem Unterrichten widmete. Strukturell ungewöhnlich für seine Zeit war, dass keiner der Brüder zum Priester geweiht war — das erste Mal, dass eine Lehrgemeinschaft von Männern so organisiert wurde. Es war eine bewusste Entscheidung, die die Gemeinschaft ganz auf das Klassenzimmer ausrichtete statt auf die sakramentalen Pflichten, die mit der Priesterweihe einhergegangen wären, und sie erlaubte es der Gemeinschaft, um einen einzigen, ungeteilten Zweck herum zu wachsen.
Unterricht auf Französisch, Einteilung nach Leistungsstufen
La Salles Methoden waren ebenso bedeutsam wie die Institution, die er zu ihrer Umsetzung schuf. Der Schulunterricht seiner Zeit fand standardmäßig auf Latein statt, was arme Kinder ohne klassische Vorbildung faktisch aussperrte — La Salle unterrichtete stattdessen auf Französisch und machte Lesen- und Schreibenlernen sowie Grundbildung für Schüler wirklich zugänglich, die andernfalls überhaupt keinen Weg ins Klassenzimmer gehabt hätten. Er teilte die Schüler außerdem nach Leistungsstufen ein, statt sie alle unabhängig vom Niveau gemeinsam zu unterrichten — eine organisatorische Idee, die dem modernen Schulwesen heute so selbstverständlich erscheint, dass man leicht vergisst, dass sie irgendwann von jemandem erfunden werden musste. Beide Neuerungen stellten La Salles Schulen erkennbar ihrer Zeit voraus, und beide Praktiken wurden zu Standardmerkmalen des Klassenzimmer-Modells, das nach ihm kam.
Ein Erbe, Jahrhunderte später formell anerkannt
La Salle starb 1719 in Rouen an einem Karfreitag — ein Detail, das seinen frühesten Biografen als passend für einen Mann erschien, der Reichtum und Ansehen aufgegeben hatte, um sein Leben in den Dienst der Bildung anderer zu stellen. Er wurde 1900 heiliggesprochen, und ein halbes Jahrhundert später, 1950, erklärte ihn Papst Pius XII. formell zum Patron der Lehrer — eine Anerkennung, die passenderweise erst kam, nachdem Generationen von Lehrern seine Methoden bereits in die Praxis umgesetzt hatten. Sein Gedenktag wird am 7. April begangen.






