Seliger Solanus Casey
Ein Farmerjunge aus Wisconsin
Bernard Francis Casey wurde am 25. November 1870 auf einer Farm in Oak Grove, Wisconsin, geboren, das sechste von sechzehn Kindern irischer Einwandererfamilie. Als junger Mann arbeitete er in einer Reihe gewöhnlicher Berufe — unter anderem als Holzfäller, Gefängniswärter und Straßenbahnführer —, bevor er Mitte zwanzig mit der Berufungsklärung zum Priestertum begann. Eine oft berichtete Episode aus seiner Zeit als Straßenbahnführer besagt, das Miterleben eines gewalttätigen Vorfalls, oder womöglich der Tod einer jungen Frau, der er nicht helfen konnte, habe ihn entscheidend dazu bewogen, das Priestertum ernsthaft zu erwägen, auch wenn die genauen Einzelheiten dessen, was seine Berufung tatsächlich auslöste, zwischen verschiedenen frühen biografischen Berichten schwanken. Er trat schließlich den Kapuziner-Franziskanern bei, einem Reformzweig des Franziskanerordens, der seine eigenen Wurzeln auf die Ideale des heiligen Franz von Assisi zurückführt, und nahm den Ordensnamen Solanus an, nach einem spanischen Franziskanermissionar in Südamerika.
Jan Zasiedatel, Porträt eines Kapuzinermönchs, 1872, Regionales Kunstmuseum Winnyzja — gemeinfrei. (Stellvertretendes Bild der Kapuzinerkutte; für Solanus Casey selbst konnte kein gemeinfreies Foto bestätigt werden.)
Geweiht, aber mit echten Einschränkungen
Solanus tat sich im Seminar ernsthaft schwer, besonders mit dem in der Kapuziner-Ausbildung damals üblichen Latein- und Deutschunterricht — Unterricht, der fast vollständig in Sprachen abgehalten wurde, die er nicht von Kindheit an sprach, obendrein bei einem Lehrstoff, der für jeden Seminaristen bereits anspruchsvoll war. Seine schulischen Leistungen ließen seine Oberen ernsthaft zweifeln, ob er überhaupt geweiht werden sollte, und manche Berichte beschreiben förmliche Beratungen unter seinen Ausbildern darüber, ob man ihn ganz aus dem Orden entlassen solle, statt zur Weihe fortzuschreiten. 1904 wurde er zum Priester geweiht, jedoch als das, was die Kirche einen „Simplex-Priester“ nennt — eine echte, dokumentierte kirchenrechtliche Kategorie, die ihm die Erlaubnis erteilte, die Messe zu feiern, ihm aber ausdrücklich untersagte, Beichte zu hören oder formelle Lehrpredigten zu halten, Einschränkungen, die Priestern vorbehalten waren, deren Oberen sie für diese bestimmten Aufgaben als unzureichend vorbereitet ansahen. Nach jedem gewöhnlichen Maßstab war das ein begrenzter, geradezu demütigender Anfang einer priesterlichen Berufung, die Art von Einschränkung, die einen weniger widerstandsfähigen Mann leicht in Verbitterung oder einen stillen Rückzug vom Dienst hätte treiben können.
Jahrzehnte an der Tür
Statt Kanzel oder Beichtstuhl verbrachte Solanus den Großteil der folgenden fünf Jahrzehnte als Pförtner — der Mönch, der für das Öffnen der Tür zuständig war — in Kapuzinerklöstern, zunächst in New York und später, für den Großteil seines Wirkens, im St.-Bonaventura-Kloster in Detroit. Das mag nach einer unbedeutenden Aufgabe klingen, doch in der Praxis brachte es ihn in täglichen, direkten Kontakt mit einem enormen Strom von Besuchern: den Armen, den Kranken, den Ängstlichen und den Trauernden, die alle in Solanus einen geduldigen, unaufgeregten Zuhörer mit Zeit für jeden fanden, der auftauchte. Die Kunde von seinem sanften Rat und von Gebeten, die man seiner Fürsprache zuschrieb — darunter berichtete Heilungen und erhörte Bitten —, verbreitete sich über die Jahrzehnte stetig in Detroit und machte aus einem Mönch ohne formelle Predigterlaubnis eine der gefragtesten geistlichen Gestalten der Stadt.
Eine Volksfrömmigkeit, die von unten wuchs
Was Solanus Caseys Geschichte auszeichnet, neben der Umkehrung der Erwartungen, die ihr innewohnt, ist, wie sehr seine Beliebtheit tatsächlich von der Basis her wuchs. Er bekleidete kein wichtiges Amt in seinem Orden, veröffentlichte keine bedeutenden theologischen Schriften und wurde nie einer angesehenen Pfarr- oder Diözesanaufgabe zugewiesen. Sein Ruf wuchs stattdessen so, wie ältere, volkstümlichere Verehrungsformen es oft tun — dadurch, dass gewöhnliche Menschen anderen gewöhnlichen Menschen von einem Mönch an einer Klostertür in Detroit erzählten, den einen Besuch wert war. Seine typische Antwort an jene, die Heilungen oder Gefälligkeiten suchten, bestand darin, sie zu Dankbarkeit und Vertrauen in Gottes Vorsehung zu ermutigen, statt selbst irgendein bestimmtes Ergebnis zu versprechen, wobei er die Aufmerksamkeit von seiner eigenen Rolle weg und auf den Glauben des Bittenden hin lenkte — eine Gewohnheit des Zurücktretens, die Mitbrüder, die mit ihm zusammenlebten, oft als zentral für seinen Charakter hervorhoben.
Er starb am 31. Juli 1957 in Detroit, wobei er den Berichten zufolge denen, die am Ende bei ihm waren, sagte, er gebe seine Seele Jesus Christus. Die Jahre seit seinem Tod haben diese Volksfrömmigkeit kaum gedämpft — wenn überhaupt, ist sie gewachsen. Seine Geschichte weist mehr als eine flüchtige Ähnlichkeit mit der eines anderen Kapuziners des 20. Jahrhunderts auf, Pater Pio, einem italienischen Ordensbruder derselben geistlichen Familie, der zu Lebzeiten ebenfalls enorme Volksverehrung auf sich zog, auch wenn sich die besonderen Gaben und Lebensumstände beider Männer erheblich unterschieden.
Selig, mit weiterhin aktivem Verfahren
Solanus Casey wurde am 18. November 2017 von Papst Franziskus seliggesprochen, in einer Zeremonie in Detroit, zu der Zehntausende kamen — ein für eine Seligsprechung ungewöhnliches Ausmaß an Teilnahme und ein deutliches Maß dafür, wie tief sein Andenken sich in der Stadt Jahrzehnte nach seinem Tod verwurzelt hatte. Die Seligsprechung verleiht ihm den Titel „Seliger“, eine formale Stufe unter der vollständigen Heiligsprechung; sein Verfahren bleibt innerhalb der Kirche aktiv, doch er wurde noch nicht heiliggesprochen, und es wäre unzutreffend, ihn als Heiligen zu bezeichnen, bevor dieser letzte Schritt formell erreicht ist. Heute bewahrt das Solanus Casey Center in Detroit, erbaut neben dem St.-Bonaventura-Kloster, in dem er so viele Jahre diente, sein Grab und setzt dieselbe grundlegende Funktion fort, die er sein Leben lang erfüllte: ein Ort, an dem jeder einfach auftauchen und empfangen werden kann.






