Der Heilige Padre Pio

Stigmata, die fünfzig Jahre andauerten
Die meisten historischen Berichte über Stigmata, die bis zu Franziskus von Assisi 1224 zurückreichen, beschreiben Wunden, die nur kurz dokumentiert sind, oft erst in den letzten Monaten oder Jahren des Lebens der Person. Padre Pios Fall sticht durch seine schiere Dauer hervor: Nach einem ersten, vorübergehenden Auftreten 1910 erschienen die Male 1918 dauerhaft wieder, am 20. September, nach einer Vision, von der er während seiner Danksagung nach der Messe berichtete, und blieben die folgenden fünfzig Jahre bis zu seinem Tod 1968 an seinen Händen, Füßen und seiner Seite sichtbar.
Placido Bux, Fotografie von Padre Pio, 19. August 1919 — gemeinfrei.
Ein Leben in aller Öffentlichkeit
Was Padre Pios Fall von Jahrhunderten früherer Berichte unterscheidet, ist, wie direkt er beobachtet wurde. Er verbrachte fast sein gesamtes Ordensleben im Kloster von San Giovanni Rotondo in Süditalien, wo Mitbrüder, besuchende Ärzte und ein enormer Strom von Pilgern jahrzehntelang täglich mit ihm in Kontakt kamen — kein einsamer Mystiker, über den man aus zweiter Hand berichtet, sondern eine öffentliche Gestalt, die über einen sehr modernen Abschnitt des 20. Jahrhunderts hinweg untersucht, befragt und fotografiert wurde. Dieses Maß an anhaltender, direkter Beobachtung ist mit ein Grund, warum sich sein Ruf schon zu seinen Lebzeiten so weit verbreitete, lange bevor irgendein formeller Kirchenprozess begann.
Heiligsprechung vor Hunderttausenden
Padre Pio wurde 1999 seliggesprochen und von Papst Johannes Paul II. am 16. Juni 2002 in einer Zeremonie auf dem Petersplatz heiliggesprochen, an der schätzungsweise 300.000 Menschen teilnahmen — eine der größten Menschenmengen, die je für eine Heiligsprechung zusammenkamen, ein Spiegelbild dessen, wie viel Verehrung sich in den Jahrzehnten seit seinem Tod bereits um ihn aufgebaut hatte.
San Giovanni Rotondo heute
Die Stadt, in der Padre Pio lebte und begraben liegt, ist zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte der katholischen Welt geworden und zieht jährlich Millionen Besucher an den mit seinem Leben und Wirken verbundenen Ort. Sein Gedenktag, der 23. September, markiert den Jahrestag seines Todes — das bedeutsamste Datum im Kalender des Heiligtums und das weltweit am stärksten mit seinem Andenken verbundene Datum. Für viele hat seine anhaltende Anziehungskraft eigentlich gar nicht so viel mit den außergewöhnlichen Phänomenen zu tun, die mit seiner Geschichte verbunden sind — es ist, dass sich so vieles davon jüngst genug und öffentlich genug ereignete, um sich eher in Reichweite lebendiger Erinnerung anzufühlen als ferne Legende.


