Der heilige Stephanus, der erste Märtyrer

Berufen, um Tische zu bedienen, nicht um zu predigen
Stephanus tritt in der Apostelgeschichte in einer fast rein verwaltenden Rolle auf: einer von sieben Männern, die eigens als Diakone gewählt wurden, um die praktische Arbeit der Nahrungs- und Hilfsverteilung an die hellenistischen Witwen der Jerusalemer Gemeinde zu übernehmen und so den Aposteln den Rücken für die Verkündigung freizuhalten. Es ist eine unterstützende, keine öffentliche Position —doch Stephanus wird rasch als mehr bekannt denn als fähiger Verwalter, anerkannt für seine besondere Begabung als Verkünder unter den griechischsprachigen jüdischen Gemeinschaften der Stadt.
Rembrandt, "Die Steinigung des heiligen Stephanus," 1625 — gemeinfrei.
Eine Verteidigung, die zur Anklage wurde
Diese Sichtbarkeit bringt ihn schließlich vor den Sanhedrin, angeklagt, gegen den Tempel und das jüdische Gesetz gesprochen zu haben. Er erhält Gelegenheit, sich zu verteidigen, doch stattdessen hält Stephanus einen weiten Rückblick auf die Heilsgeschichte —von Abraham über Mose bis zu den Propheten— der damit endet, die Anklage gegen seine Richter selbst zu wenden, indem er ihnen vorwirft, genau die Botschaft abzulehnen, auf die die Propheten hingewiesen hatten. Es ist, gemessen an jedem Maßstab, eine Verteidigung, die seine Lage erheblich verschlimmert statt verbessert.
Vergebung, ausgesprochen im Sterben
Verurteilt und aus der Stadt geschleift, wird Stephanus gesteinigt —und seine letzten überlieferten Worte richten sich nicht an seine Ankläger, sondern über sie hinaus: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!", und dann: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!" (Apostelgeschichte 7:59-60, Einheitsübersetzung). Das Echo der eigenen Worte Jesu am Kreuz ist unverkennbar und beinahe gewiss beabsichtigt von Lukas, dem Verfasser der Apostelgeschichte —ein Märtyrertod, geformt, selbst in seinen letzten Sekunden, nach dem Muster dessen, für den er starb.
Der Zeuge, der später verwandelt werden sollte
Die Apostelgeschichte enthält noch ein weiteres Detail, das Stephanus' Tod ein zweites Leben in der folgenden Geschichte verleiht: Bei der Hinrichtung anwesend, sie billigend, steht ein junger Mann namens Saulus von Tarsus —derselbe Saulus, der später zum Apostel Paulus werden sollte, einem der einflussreichsten Missionare des Christentums. Stephanus erlebt diese Verwandlung nicht mehr. Doch sein Tod, und sein Gebet für die Menge, die ihn gerade tötet, steht als eines der frühesten Bindeglieder zwischen dem Martyrium eines übersehenen Diakons und der Bekehrung des Mannes, der ihm dabei zusah.
Trivia
Was war Stephanus' ursprüngliche Rolle in der frühen Kirche?
Warum wurde Stephanus vor Gericht gestellt?
Was sagte Stephanus, während er gesteinigt wurde?
Wer war bei Stephanus' Hinrichtung anwesend?



