Selige Alexandrina von Balazar
Ein Sprung aus dem Fenster
Alexandrina Maria da Costa wurde am 30. März 1904 in der Pfarrei Balazar geboren, nahe Póvoa de Varzim im Norden Portugals. Ihr frühes Leben nahm mit vierzehn Jahren eine entscheidende Wendung, als drei Männer in das Haus ihrer Familie einbrachen, um sie zu überfallen. Statt sich zu fügen, sprang sie aus einem Fenster. Der Sturz selbst war nicht tödlich, löste aber eine fortschreitende Lähmung aus, die sie mit der Zeit für die kommenden drei Jahrzehnte ihres Lebens ans Bett fesselte — für den Rest ihres Lebens, wie sich herausstellen sollte, auch wenn das damals niemand hätte wissen können.
Fotografie der Pfarrkirche von Balazar, Portugal, verbunden mit der seligen Alexandrina Maria da Costa — hier als ehrlicher Ersatz für eine zeitgenössische Fotografie Alexandrinas selbst verwendet, deren Urheberrechtsstatus nicht als gemeinfrei bestätigt werden konnte.
Es ist die Art von Ursprungsgeschichte, die schon für sich genommen bemerkenswert wäre: die Entscheidung eines Mädchens im Bruchteil einer Sekunde, der Gewalt zu entkommen, kostet sie für den Rest eines langen Lebens den Gebrauch ihres Körpers. Was danach folgte, ist der Punkt, an dem Alexandrinas Geschichte selbst nach den Maßstäben katholischer Frömmigkeitsgeschichte wirklich ungewöhnlich wird.
Die Passion durchlebt, jeden Freitag
Vom 3. Oktober 1938 bis zum 24. März 1942 soll Alexandrina jeden Freitag Christi Passion körperlich durchlebt haben — ein Phänomen, das, anders als viele private mystische Behauptungen, als wiederholtes, bezeugtes Geschehen dokumentiert wurde und nicht nur nachträglich von Alexandrina selbst berichtet wird. Zugleich soll sie eine unsichtbare Stigmatisation empfangen haben: die Wunden der Passion, erfahren ohne dass sichtbare Male auf ihrer Haut erschienen. Dieses Detail ist wichtig und sollte nicht übergangen werden, denn es unterscheidet ihren Fall von den geläufigeren Stigmatisationsgeschichten mit sichtbaren Wunden — die kirchlichen Aufzeichnungen zu Alexandrina sind ausdrücklich, dass keine solchen sichtbaren Male vorhanden waren.
Dreizehn Jahre, und die eigenen Aufzeichnungen eines Krankenhauses
Ab dem 27. März 1942 und bis zu ihrem Tod soll Alexandrina überhaupt nichts mehr zu sich genommen haben außer der Eucharistie, die sie täglich empfing. Behauptungen dieser Art — Heilige, die angeblich über längere Zeit ohne gewöhnliche Nahrung überlebten — finden sich auch anderswo in der katholischen Geschichte, und viele von ihnen stützen sich auf weit dünnere Beweise als das, was für Alexandrina vorliegt. Die kirchlichen Autoritäten akzeptierten die Behauptung nicht einfach; sie ordneten eine überwachte, 40-tägige klinische Beobachtung im Krankenhaus Foce do Douro in Porto an, die vom 10. Juni bis zum 20. Juli 1943 lief, während der Ärzte sie unmittelbar überwachten und keine Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme außerhalb der Kommunion feststellten.
Das ist eine ungewöhnlich gut belegte Untersuchung im Vergleich zu vielen ähnlichen Überlieferungen "fastender Heiliger", und es lohnt sich, klar zu benennen, warum das wichtig ist: Diese Geschichte überlebt nicht nur durch fromme Weitererzählung Generationen später, sondern durch eine dokumentierte, zeitgenössische klinische Untersuchung einer Institution, die allen Grund hatte, skeptisch zu sein. Dennoch sollte man es genau beschreiben — gemäß den klinischen Beobachtungsaufzeichnungen jener Studie von 1943, nicht als wissenschaftlich abschließend geklärte Tatsache oder formell festgestelltes Wunder. Der eigene Seligsprechungsprozess der Kirche behandelt es als bemerkenswertes, gründlich dokumentiertes Phänomen, nicht als Beweis, dem jemand zustimmen müsste.
Seligsprechung
Alexandrina starb am 13. Oktober 1955 in Balazar, der Stadt, in der sie fast ihr gesamtes Leben verbracht hatte. Sie wurde am 12. Januar 1996 zur Ehrwürdigen erklärt und am 25. April 2004 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ein oft wiederholter Satz, der ihr "Geheimnis der Heiligkeit" als Liebe zu Christus beschreibt, wird häufig der Seligsprechungshomilie Johannes Pauls II. zugeschrieben, doch der genaue Wortlaut ließ sich hier nicht anhand einer präzisen Quellenangabe bestätigen — es lohnt sich daher, diesen bestimmten Ausdruck eher als Paraphrase des allgemeinen Gedankens zu behandeln denn als verifiziertes wörtliches Zitat.
Gedenktag und Verehrung
Ihr Gedenktag wird am 13. Oktober begangen, dem Tag ihres Todes. Alexandrina trägt kein formell zuerkanntes vatikanisches Patronat, wird aber in der Volksfrömmigkeit von Kranken, von gelähmten und behinderten Menschen sowie im Zusammenhang mit der Reinheit der Jugend angerufen — eine fromme, von der Basis getragene Verbindung statt eines offiziellen Titels, und es lohnt sich, das auch so zu benennen. Ihre Geschichte steht an einer ungewöhnlichen Schnittstelle für eine moderne Heilige: eine dokumentierte Selbstschutzhandlung als Teenager, gefolgt von Jahrzehnten des Leidens, die die Kirche selbst lieber untersuchte, als sie einfach hinzunehmen, und ein Leben, das in derselben kleinen portugiesischen Pfarrei endete, in der es begonnen hatte.






