Der heilige Blasius
Ein Bischof, an dem die Geschichte kaum festhält
Streicht man die Legende weg, bleibt von Blasius' Geschichte ein kurzer, plausibler Umriss: ein Bischof von Sebaste, einer Stadt in der römischen Provinz Kleinarmenien, im heutigen Sivas in der Türkei, der Überlieferung nach um 316 n. Chr. während der Herrschaft Kaiser Licinius' unter der Autorität eines Statthalters namens Agricolaus den Märtyrertod erlitt. Die Catholic Encyclopedia ist unumwunden, was die Grenzen dieser Überlieferung angeht, und bezeichnet seine erhaltenen Akten als "rein legendär", wobei sie nur einräumt, dass ein realer Bischof dieses Namens wahrscheinlich im frühen 4. Jahrhundert Märtyrer wurde. Alles Konkretere — die Einzelheiten seines Wirkens, seiner Verhaftung, seiner Folter und vor allem die Geschichte, die ihn berühmt machte — gehört einer späteren legendären Überlieferung an, die sich nicht bis in seine eigene Lebenszeit zurückverfolgen lässt.
Francesco Villamena (nach Francesco Vanni), "S. Blasius," 1598, Rijksmuseum — gemeinfrei.
Eiserne Kämme und ein Patron der Wollkämmer
Der Überlieferung nach wurde Blasius vor seiner Hinrichtung mit eisernen Kämmen gefoltert, wie sie beim Wollkämmen verwendet wurden — eine qualvolle Methode, die prägend dafür wurde, wie man sich an ihn erinnerte und ihn in der religiösen Kunst darstellte. Dieses Detail, so legendär es ist, begründete unmittelbar seine Patronanz über die Wollkämmer — ein Handwerk, dessen eigene Werkzeuge dauerhaft mit seinem Leiden verbunden wurden. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine volkstümliche Heiligenverehrung Wurzeln schlagen und jahrhundertelang bestehen kann, selbst wenn sich die zugrunde liegende historische Behauptung nicht unabhängig belegen lässt.
Der erstickende Junge, und der Segen, den er hervorbrachte
Die Geschichte, für die die meisten Menschen Blasius eigentlich kennen, hat mit seinem Martyrium überhaupt nichts zu tun. Einer Legende zufolge, die sich lange nach seinem Tod entwickelte, brachte eine verzweifelte Mutter ihren kleinen Sohn zu Blasius, der an einer im Hals steckenden Fischgräte erstickte, und der Bischof rettete das Leben des Jungen auf wundersame Weise. Wie der Rest seiner erhaltenen Akten hat auch diese Erzählung keine solide historische Grundlage — sie ist Legende, keine dokumentierte Biografie. Doch ihre Wirkung auf die katholische Frömmigkeit war enorm und dauerhaft. Aus dieser Geschichte entstand der Blasiussegen, eine Zeremonie, die bis heute an oder um seinen Gedenktag am 3. Februar in Kirchen durchgeführt wird, bei der ein Priester zwei gekreuzte Kerzen an den Hals eines Gläubigen hält und um Schutz vor derartigen Krankheiten betet. Die Andacht erfordert nicht, dass die zugrunde liegende Legende historisch belegt ist, um für die Menschen, die sie praktizieren, bedeutungsvoll zu bleiben — es ist ein Fall, in dem der geistliche und seelsorgerliche Nutzen einer Geschichte jede Frage nach ihrer historischen Genauigkeit überdauert hat.
Einer der Vierzehn Nothelfer
Blasius' Beliebtheit in der mittelalterlichen Kirche war bedeutend genug, dass er zu den Vierzehn Nothelfern gezählt wurde, einer Gruppe von Heiligen, die im mittelalterlichen Europa als Fürsprecher gegen bestimmte Krankheiten, Gefahren und plötzliche Todesfälle besonders beliebt wurde. Seine besondere Verbindung zu Halsleiden machte ihn zu einer natürlichen Ergänzung dieser Gesellschaft. Sein Gedenktag ist der 3. Februar, und seine anhaltende Beliebtheit erinnert daran, dass die andächtige Bedeutung eines Heiligen und die historische Verlässlichkeit seiner Biografie zwei völlig verschiedene Dinge sein können — Blasius wird heute fast ausschließlich auf der Grundlage einer Legende verehrt, die die kircheneigene Forschung nicht als Tatsache gelten lässt.






