Die heilige Olympias von Konstantinopel
Ein riesiges Erbe, eine kurze Ehe
Olympias wurde um 360 bis 365 geboren, höchstwahrscheinlich in Konstantinopel, in eine Familie von hohem kaiserlichem Rang — ihr Vater, je nach Quelle Seleukos oder Sekundus genannt, trug den Titel „Comes”. Sie verlor ihre Eltern verhältnismäßig jung, was sie zur Erbin eines beträchtlichen Vermögens machte, eines der größten, das damals ein Privatmensch im Oströmischen Reich besaß. 384 oder 385 heiratete sie Nebridius, den Präfekten von Konstantinopel, doch die Ehe währte nur kurz: Sie wurde bald darauf Witwe, blieb kinderlos und lehnte trotz erheblichen gesellschaftlichen und sogar kaiserlichen Drucks, erneut in Reichtum und Verbindungen einzuheiraten, jeden weiteren Antrag ab, der ihr gemacht wurde.
Ikone der heiligen Olympias der Diakonissin, Künstler unbekannt, 19.–20. Jahrhundert — gemeinfrei.
Ein Kaiser mischt sich in ihre Finanzen ein
Olympias' Weigerung, wieder zu heiraten, gepaart mit dem Tempo, in dem sie ihr Erbe an Kirchen und Arme verschenkte, zog eine direkte Einmischung von höchster kaiserlicher Ebene nach sich. Kaiser Theodosius I. stellte ihr Vermögen unter einen eingesetzten Verwalter und entzog ihr damit faktisch die Kontrolle über ihre eigenen Finanzen — offenbar in der Absicht, das Tempo ihrer Vermögensauflösung zu verlangsamen und sie zu einer konventionelleren Wiederverheiratung zu drängen. Das gelang nicht wie geplant: Theodosius gab ihr 391 schließlich die volle Kontrolle über ihr eigenes Vermögen zurück. Es ist ein wirklich bemerkenswertes, konkretes historisches Detail — ein römischer Kaiser, der sich persönlich in die finanziellen Entscheidungen einer einzelnen wohlhabenden Witwe einmischt und diesen speziellen Streit am Ende verliert.
Zur Diakonissin geweiht
Wieder im Besitz ihres eigenen Vermögens und ihrer eigenen Entscheidungsfreiheit, wurde Olympias von Nektarios, dem Bischof von Konstantinopel, der dieses Amt von 381 bis 397 innehatte, zur Diakonissin geweiht. Es lohnt sich, kurz innezuhalten bei dem, was dieser Titel damals bedeutete: Eine Diakonissin bekleidete in der frühen Kirche ein anerkanntes, dem Weiheamt nahestehendes Dienstamt, das sich vom späteren Modell des Ordenslebens unterschied, welches sich erst in den folgenden Jahrhunderten entwickeln sollte — typischerweise umfasste es Aufgaben wie die Assistenz bei der Taufe von Frauen und andere Formen der Seelsorge, die männliche Kleriker nicht angemessen leisten konnten. Olympias gründete daraufhin ein Kloster neben der Kathedrale von Konstantinopel, versammelte Verwandte und andere Frauen zu einer Gemeinschaft, die dem Gebet und der Wohltätigkeit gewidmet war, finanziert größtenteils durch ihre eigene fortwährende Freigebigkeit.
Freundin und Förderin des Johannes Chrysostomus
Alles änderte sich, jedenfalls was die uns überlieferten Quellen über sie betrifft, nachdem Johannes Chrysostomus 398 Bischof von Konstantinopel geworden war. Olympias wurde seine enge Freundin, seine finanzielle Förderin und, den meisten Berichten zufolge, auch seine geistliche Schülerin — eine Beziehung, die für Chrysostomus' Fähigkeit, seinen reformerischen, mitunter konfrontativen Dienst in der Reichshauptstadt auszuüben, enorm wichtig war. Als Chrysostomus 404 abgesetzt und verbannt wurde, weitgehend als Ergebnis von Hofintrigen und seiner eigenen kompromisslosen Predigt gegen die Korruption der Mächtigen, distanzierte sich Olympias nicht zu ihrer eigenen Sicherheit von ihm. Sie blieb loyal, und sie bezahlte dafür unmittelbar: Sie wurde selbst verfolgt und in die Verbannung getrieben, als Folge ihrer fortgesetzten Unterstützung für den in Ungnade gefallenen Bischof.
Der klarste erhaltene Beleg ihrer Freundschaft ist ein Textkorpus von erheblichem Umfang: Siebzehn Briefe von Chrysostomus an Olympias sind überliefert, geschrieben während seines Exils, aufbewahrt in der Patrologia Graeca und in englischer Übersetzung etwa in der Sammlung der Nicene and Post-Nicene Fathers zugänglich. Es lohnt sich, präzise zu sein, was diese Korrespondenz uns tatsächlich gibt — es sind Chrysostomus' Worte an sie, die ihr Trost, Ermutigung und theologische Reflexion aus dem Exil bieten; ihre Briefe an ihn sind leider nicht erhalten. Dennoch sind siebzehn überlieferte Briefe eines bedeutenden Kirchenvaters an eine einzelne, namentlich genannte Laiin für diese Epoche der Kirchengeschichte eine ungewöhnlich gut dokumentierte Beziehung, und sie verankert Olympias' Geschichte in primären Quellen statt in späterer Legendenbildung.
Verbannung, und der Tod binnen eines Jahres nach Chrysostomus
Olympias starb am 25. Juli 408, höchstwahrscheinlich in Nikomedia, noch immer im Exil wegen ihrer Treue zu Chrysostomus, der selbst schon ein Jahr zuvor, 407, gestorben war. Ihre Tode, die innerhalb von etwa einem Jahr aufeinanderfolgten, beschließen eine der wirklich bewegendsten Freundschaften, die aus der spätantiken Kirche überliefert sind — ein Bischof, der aus dem Exil schrieb, um die Frau zu trösten, die einst seinen Dienst finanziert hatte, und eine Frau, die ihre Freiheit verlor, statt ihn im Stich zu lassen, als das Reich sich gegen ihn wandte.
Olympias ist eine vorkongregationale Heilige, seit der Antike verehrt, und ihre historische Grundlage ist für eine Gestalt ihrer Zeit ungewöhnlich solide: Eine Lebensbeschreibung aus dem 5. Jahrhundert existiert, und die Korrespondenz mit Chrysostomus liefert eine gesicherte, wissenschaftlich anerkannte Primärquelle, unabhängig von jeder späteren hagiographischen Ausschmückung. Ihr Gedenktag wird im römischen Kalender am 17. Dezember begangen, im griechischen und byzantinischen Kalender am 25. Juli — ihrem Todestag. Ein fest kodifiziertes universales römisches Patronat trägt ihr Name formal nicht, doch sie wird gelegentlich informell als Patronin der Diakonissinnen und der Witwen angerufen — eine passende, wenn auch inoffizielle Würdigung eines Lebens, das eines der größten Privatvermögen des Reiches in Unterstützung für die Kirche und die Armen verwandelte, bis hin zu dem Moment, in dem sich das Reich selbst deswegen gegen sie wandte.






