Die heilige Rita von Cascia

Verwitwet, dann binnen eines Jahres kinderlos, verbrachte sie Jahrzehnte damit, in ein Kloster einzutreten, das sie immer wieder abwies — und trug, einmal eingetreten, eine Wunde auf der eigenen Stirn, die sie für den Rest ihres Lebens begleitete.
Saint Rita of Cascia
Möchtest du Ritas standhaften Glauben durch alles Leid über deinem eigenen Zuhause? Saint Rita of Cascia

Eine Kindheit, schon früh aufs Kloster ausgerichtet

Rita wurde 1381 als Margherita Ferri Lotti geboren, im kleinen Bergstädtchen Roccaporena nahe Cascia in Mittelitalien, als Tochter bereits älterer Eltern, die der Überlieferung nach jahrelang um ein Kind gebetet hatten. Schon als Mädchen soll sie sich zum geistlichen Leben hingezogen gefühlt und ihre Eltern gebeten haben, in ein Kloster eintreten zu dürfen. Doch Antonio und Amata Lotti, um ihre einzige Tochter besorgt, arrangierten stattdessen ihre Ehe mit einem gewissen Paolo Mancini, noch in ihren Teenagerjahren — üblich in einer Zeit, in der solche Entscheidungen von den Eltern und nicht von den Kindern selbst getroffen wurden.

Ein Porträt einer Augustinernonne in dunklem Habit, mit einer sichtbaren Wunde auf der Stirn, die Hände im Gebet gefaltet.

Traditionelle Darstellung der heiligen Rita von Cascia — gemeinfrei.

Eine schwierige Ehe, dann verwitwet und binnen eines Jahres kinderlos

Paolo Mancini galt als jähzornig und war Berichten zufolge in die gewaltsamen Familienfehden verstrickt, die im Umbrien jener Zeit verbreitet waren. Rita soll fast zwei Jahrzehnte darauf verwandt haben, sein Verhalten mit Geduld allmählich zu mildern, und das Paar bekam zwei Söhne, Giangiacomo Antonio und Paolo Maria. Dieser brüchige Friede endete, als Paolo überfallen und ermordet wurde, vermutlich als Vergeltung für eine Fehde, in die er selbst hineingezogen worden war. Aus Angst, ihre Söhne könnten gewaltsame Rache suchen und in denselben Kreislauf geraten, der ihren Vater das Leben gekostet hatte, betete Rita, sie mögen vor dieser Sünde bewahrt bleiben — und binnen eines Jahres starben beide Jungen an einer schweren Krankheit, sodass sie ohne Mann und ohne Kinder zurückblieb.

Eintritt ins Ordensleben, Jahrzehnte in der Entstehung

Mit sechsunddreißig Jahren suchte Rita schließlich Aufnahme im Augustinerkloster der heiligen Maria Magdalena in Cascia, jener Gemeinschaft, die sie lange kannte und in deren Nähe sie getauft worden war. Der Überlieferung nach wiesen die Nonnen sie zunächst ab, da die Klosterregel nur unverheiratete Frauen aufnahm und eine Witwe, die — wenn auch unfreiwillig — in eine Familienfehde verstrickt gewesen war, nicht recht in dieses Bild passte. Erst nach Jahren beharrlichen Bittens und, so die fromme Überlieferung, einer Nacht, in der sie auf wundersame Weise ins verschlossene Kloster getragen worden sein soll, wurde sie endlich aufgenommen. In den folgenden vier Jahrzehnten klösterlichen Lebens widmete sie sich Gebet, Buße und Fasten, während sie zugleich regelmäßig auszog, um den Armen und Kranken der Stadt zu dienen — ähnlich wie schon ein Jahrhundert zuvor die heilige Elisabeth von Thüringen ein Leben der Buße mit unmittelbarer Sorge für die Armen verband.

Eine Wunde, die Christi eigene Krone widerspiegelte

Als Rita etwa sechzig Jahre alt war, betete sie vor einem Bild des gekreuzigten Christus, als plötzlich eine kleine Wunde auf ihrer Stirn erschien, als hätte sich ein Dorn aus seiner Dornenkrone gelöst und ihr eigenes Fleisch durchbohrt. Als partielles Stigma galt dieses Mal — ein körperliches Zeichen, das an Christi Wunden erinnerte, doch zu unterscheiden von den vollständigen Stigmata, wie sie etwa bei Padre Pio berichtet werden. Sie trug diese Wunde, die Berichten zufolge einen unangenehmen Geruch verströmte und sie zeitweise von den anderen Nonnen fernhielt, bis an ihr Lebensende. Sie starb an Tuberkulose am 22. Mai 1457, nachdem sie ihre letzten Jahre weitgehend auf ihre Zelle beschränkt verbracht hatte.

Patronin der aussichtslosen Anliegen

Papst Leo XIII. sprach Rita am 24. Mai 1900 heilig und verlieh ihr bei dieser Zeremonie den Titel "Patronin der aussichtslosen Anliegen" — ein Titel, der direkt auf ein Leben zurückgeht, das von Verlusten geprägt war, die sich bei jeder Wendung als unerträglich erwiesen: eine zerrüttete Ehe, die sich besserte, Söhne, die an Krankheit statt an Rache starben, der Eintritt in ein Kloster, das ihr zunächst fest verschlossen blieb. Die Augustiner bewahren ihren Berichten zufolge bemerkenswert gut erhaltenen Leib bis heute in einem gläsernen Reliquienschrein in der Basilika Santa Rita in Cascia. Die Verehrung für sie hat sich unter Gläubigen in aussichtslosen Lebenslagen — schwere Krankheit, zerbrochene Ehen, familiäre Entfremdung — weit verbreitet, die in ihrer Geschichte eine Heilige finden, die den Verlust aus eigener Erfahrung kannte.

Rosen, Bienen und ein Heimatort, der bis heute ihre Spuren trägt

An ihrem Gedenktag, dem 22. Mai, werden in vielen Pfarreien Rosen gesegnet — eine Tradition, die auf eine Erzählung zurückgeht, wonach Rita als Sterbende eine Verwandte bat, ihr eine Rose aus dem Garten ihres alten Elternhauses in Roccaporena zu bringen. Mitten im Winter, als eigentlich nichts hätte blühen sollen, soll dort tatsächlich eine einzelne Rose gefunden worden sein. Eine weitere lokale Überlieferung aus Roccaporena erzählt, dass als Säugling ein Bienenschwarm sanft um ihre Wiege versammelt gewesen sei, ohne ihr zu schaden — ein Bild, das später als frühes Zeichen ihres außergewöhnlichen Lebens gedeutet wurde, wenngleich es eher als volkstümliche Überlieferung ihres Heimatorts denn als belegtes Ereignis gilt. Roccaporena selbst bleibt bis heute ein bescheidener Wallfahrtsort, deutlich kleiner als die Basilika in Cascia, aber weiterhin besucht von jenen, die den Weg ihres Lebens von einem Bergdorf bis zur weltweit anerkannten Heiligkeit nachvollziehen möchten. Bis heute gilt Rita in Italien und weit darüber hinaus als eine der meistangerufenen Fürsprecherinnen in scheinbar hoffnungslosen Lagen, und ihr Name wird oft in einem Atemzug mit dem des heiligen Judas Thaddäus genannt, einem weiteren Schutzpatron verzweifelter Anliegen.

Trivia

Wer war die heilige Rita von Cascia?
Geboren 1381 als Margherita Ferri Lotti, war sie eine italienische Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes und beider Söhne Augustinernonne wurde und heute als 'Patronin der aussichtslosen Anliegen' bekannt ist.
Was geschah mit ihrer Familie?
Ihr Mann Paolo Mancini wurde ermordet, als ihre beiden Söhne noch jung waren; binnen eines Jahres starben auch beide Söhne an einer Krankheit, sodass Rita als kinderlose Witwe zurückblieb.
Was hat es mit der Wunde auf ihrer Stirn auf sich?
Im Alter von etwa sechzig Jahren erschien ihr, während sie vor einem Bild des gekreuzigten Christus betete, eine kleine Wunde auf der Stirn, als hätte ein Dorn aus seiner Krone ihr eigenes Fleisch durchdrungen — ein Mal, das sie bis zu ihrem Tod als partielles Stigma trug.
Wann wurde sie heiliggesprochen?
Papst Leo XIII. sprach sie am 24. Mai 1900 heilig und verlieh ihr dabei den Titel 'Patronin der aussichtslosen Anliegen.'
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