Der heilige Robert Bellarmin
Neffe eines Papstes, Lehrer einer künftigen Generation
Robert Bellarmin wurde 1542 in Montepulciano, Italien, geboren, als Neffe von Papst Marcellus II. — doch die familiäre Verbindung zum Papsttum ebnete ihm kaum den eigenen Weg: Er trat gegen erheblichen familiären Widerstand in den neu gegründeten Jesuitenorden ein und baute sich seinen frühen Ruf eher als Lehrer denn als Höfling auf. Schließlich wurde er Rektor des Collegio Romano, der Vorzeigeschule der Jesuiten in Rom, zu einer Zeit, als der Orden zu einem der bedeutendsten geistigen Motoren der katholischen Kirche in ihrer Antwort auf die protestantische Reformation wurde.
Francesco Villamena, Kardinal Roberto Bellarmino schreibend an seinem Schreibpult, 1604, Metropolitan Museum of Art — gemeinfrei.
Eine systematische Verteidigung der katholischen Lehre
Zwischen 1586 und 1593 schuf Bellarmin das Werk, das seinen wissenschaftlichen Ruf begründen sollte: die Disputationes de Controversiis Christianae Fidei, eine gewaltige, methodische Verteidigung der katholischen Lehre gegen die Argumente, die protestantische Reformatoren seit Jahrzehnten vorgebracht hatten. Statt die Lehre bloß zu wiederholen, ging Bellarmin die konkreten Einwände der Reformatoren Punkt für Punkt durch, und das Werk wurde für Generationen zu einem Standardwerk für katholische Theologen — so gründlich, dass manche protestantischen Schriftsteller seiner Zeit ganze Abhandlungen allein der Erwiderung darauf widmeten.
Die Warnung, die Galilei überbracht wurde
Bellarmins andere bleibende historische Fußnote fällt spät in seine Laufbahn und hat nichts mit den Streitschriften der Reformationszeit zu tun. Als vertrauenswürdiger Konsultor des Heiligen Offiziums wurde ihm 1616 aufgetragen, Galileo Galilei persönlich über die Haltung der Kirche zum Heliozentrismus zu informieren — der Theorie, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt. Bellarmin überbrachte die Ermahnung, dass Galilei den Heliozentrismus als mathematische Hypothese, nützlich für Berechnungen, erörtern dürfe, ihn aber nicht als feststehende physikalische Tatsache darstellen solle — eine reale, sorgfältig dokumentierte Begegnung zwischen dem bedeutendsten Theologen der Kirche und ihrem berühmtesten wissenschaftlichen Kritiker. Es lohnt sich, dies klar zu benennen, statt darüber hinwegzugehen: Die Episode zeigt eine echte, ungelöste Spannung zwischen kirchlicher Autorität und aufkommender wissenschaftlicher Evidenz — eine Spannung, die die Kirche erst Jahrhunderte später vollständig aufarbeiten sollte.
Heiligsprechung und der Titel eines Kirchenlehrers
Bellarmin starb 1621 in Rom. Er wurde 1923 seliggesprochen, 1930 heiliggesprochen und im darauffolgenden Jahr, 1931, von Papst Pius XI. zum Kirchenlehrer ernannt. Sein Gedenktag wird am 17. September begangen. Neben seinem wissenschaftlichen Vermächtnis wird er heute als Patron der Katecheten verehrt, in Würdigung seiner eigenen, klar geschriebenen Katechismus-Texte für gewöhnliche Gläubige, nicht nur für Mittheologen, sowie als Patron der Kanonisten, in Anerkennung der Gründlichkeit seiner Verteidigung von Kirchenlehre und Kirchenrecht in einem Werk, das die katholische Theologie noch Jahrhunderte nach seinem Tod prägte.






