Der heilige Isidor der Landmann
Ein Arbeiterleben, dünn dokumentiert
Isidor wurde um 1070 bei Madrid geboren und verbrachte sein Leben als Tagelöhner auf dem Feld, verheiratet mit einer Frau, die heute als die heilige María de la Cabeza in Erinnerung ist. Das ist nahezu der gesamte Umfang dessen, was sich mit wirklicher historischer Sicherheit über ihn sagen lässt. Anders als bei Heiligen, deren Leben durch ausführliche zeitgenössische Biografien, Briefe oder amtliche Kirchenaufzeichnungen überliefert ist, kommt Isidors Geschichte hauptsächlich durch über Jahrhunderte weitergegebene Verehrung zu uns — was bedeutet, dass der ehrliche Ausgangspunkt jeder Darstellung seines Lebens das Eingeständnis sein muss, wie viel davon auf Überlieferung statt auf Dokumentation beruht.
Donaciano Aguilar, „Der heilige Isidor der Landmann", Öl auf Blech (Retablo), 1841, El Paso Museum of Art — gemeinfrei.
Die Legende, die sein Bild prägte
Die am meisten mit Isidor verbundene Geschichte betrifft seine Arbeitsgewohnheiten. Der Überlieferung nach bemerkte sein Arbeitgeber, dass Isidor häufig später als erwartet auf den Feldern erschien, weil er unterwegs innehielt, um zu beten, und wurde schließlich frustriert genug, um selbst nach ihm zu sehen. Was er der Legende nach fand, war ein Engel, der an Isidors Stelle das Feld pflügte, während Isidor selbst in der Nähe kniete und betete, offenbar unbekümmert um die liegen gebliebene Arbeit. Es ist ein eindrucksvolles Bild, und es ist der Grund, warum Pflüge, Engel und Ochsen so häufig in seinen Darstellungen in der Kunst auftauchen — doch es gehört zur volkstümlichen Legende, nicht zur belegten Biografie, und sollte auch so verstanden werden, statt als gesicherte Tatsache dargestellt zu werden.
Heiliggesprochen neben Größen der Gegenreformation
Trotz der Lücken in seiner dokumentierten Biografie wuchs Isidors volkstümliche Verehrung so stark an, dass er 1622 förmlich heiliggesprochen wurde — in derselben Zeremonie wie der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer der Jesuiten; der heilige Franz Xaver, der jesuitische Missionar in Asien; die heilige Teresa von Ávila, die karmelitische Mystikerin und Reformerin; und der heilige Philipp Neri, der fröhliche „Apostel Roms". Dass er in derselben Zeremonie wie vier überragende Gestalten der Gegenreformation heiliggesprochen wurde, sagt einiges darüber aus, wie weit sich Isidors volkstümliche Verehrung bis zum frühen 17. Jahrhundert verbreitet hatte — selbst für einen einfachen Landarbeiter ohne theologische Schriften, ohne Ordensgründung und ohne dramatische Missionslaufbahn.
Patron der Felder und der Stadt, die er nie verließ
Isidors Gedenktag wird am 15. Mai gefeiert, und er wird heute als Schutzpatron der Bauern und Tagelöhner überall verehrt, ebenso als besonderer Patron Madrids, der Stadt, in deren Nähe er sein ganzes Leben verbrachte. Diese lokale, verwurzelte Note macht einen Teil dessen aus, was seine Verehrung so besonders macht — man erinnert sich an ihn nicht dafür, weit gereist zu sein oder im gewöhnlichen Sinn etwas Dramatisches vollbracht zu haben, sondern für die stille, beständige Verbindung von körperlicher Arbeit und Gebet, die seine Legende so eindringlich veranschaulicht.
Verehrung statt Dokumentation — und warum das in Ordnung ist
Man könnte sich leicht mehr Gewissheit über Isidors tatsächliches Leben wünschen, als überliefert ist, und ehrliche Darstellungen seiner Geschichte müssen widerstehen, Details zu erfinden, die die Quellenlage nicht hergibt. Doch die Dünne seiner Biografie schmälert nicht, was seine Verehrung Bauern und Landarbeitern über Jahrhunderte hinweg bedeutet hat — im Gegenteil: Ein Heiliger, an den man sich vor allem durch Legende und volkstümliche Zuneigung erinnert und nicht durch offizielle Biografie, spiegelt genau jene Art gewöhnlicher Heiligkeit wider, um die sein eigenes Leben gebaut war.






