Der heilige Johannes von Ávila
Eine converso-Familie in einem misstrauischen Zeitalter
Johannes von Ávila wurde 1499 in Almodóvar del Campo, in der Provinz Ciudad Real in Spanien, als Sohn von Alfonso de Ávila und Catalina Xixón geboren. Die Familie seines Vaters stammte von zum Christentum konvertierten Juden ab — conversos, wie man sie in Spanien nannte —, eine dokumentierte biografische Tatsache, die man klar benennen sollte, statt sie zu übergehen, denn das Spanien des 16. Jahrhunderts war eine Gesellschaft, in der converse Abstammung noch Generationen nach der Konversion einer Familie echten, oft feindseligen Argwohn nach sich zog. Dass Johannes ausgerechnet in diesem gesellschaftlichen Klima zu einer der vertrauenswürdigsten geistlichen Autoritäten der spanischen Gegenreformation aufsteigen sollte, ist eine wirklich bemerkenswerte Tatsache seines Lebens, keine beiläufige Fußnote.
Werkstatt El Grecos, Porträt des Juan de Ávila, um 1580 — gemeinfrei.
Mit vierzehn Jahren, 1513, wurde Johannes an die Universität Salamanca geschickt, um Jura zu studieren — den Weg, den seine Familie von ihm erwartete. 1517 brach er das Studium ohne Abschluss ab und kehrte stattdessen nach Hause zurück, wo er die nächsten drei Jahre in ungewöhnlich strenger persönlicher Frömmigkeit verbrachte — eine Zeit, die sich im Rückblick liest wie die stille Erkenntnis eines jungen Mannes, der einer Berufung nachspürte, die sein Jurastudium nicht beantworten konnte.
Priesterweihe, und alles hergeben
Beide Elternteile Johannes' starben, während er noch Student war, bevor er die Gelegenheit zur Priesterweihe erhielt. Nach seiner Priesterweihe im Frühjahr 1526 kehrte er zurück, um seine erste Messe in der Kirche zu feiern, in der sie begraben lagen — eine bewusste, persönliche Entscheidung, sein Priesteramt am Grab der Eltern zu beginnen statt an einem angeseheneren Ort. Anschließend verkaufte er den geerbten Familienbesitz und gab den Erlös den Armen, und trat so in den hauptamtlichen Dienst ein, ohne das finanzielle Polster, das ihm sein Erbe sonst gegeben hätte.
Der Apostel Andalusiens
In den folgenden Jahrzehnten baute sich Johannes den Ruf als einer der großen Prediger der spanischen Gegenreformation auf und verdiente sich den Titel „Apostel Andalusiens" für die ausgedehnte Predigt- und Reformarbeit, die er in dieser südspanischen Region leistete. Sein Predigen war jedoch nicht sein einziger — und vielleicht nicht einmal sein historisch bedeutsamster — Beitrag; ihm ebenbürtig, und vielleicht sogar von noch längerer Wirkung, war sein Wirken als geistlicher Begleiter, das er größtenteils über persönliche Briefwechsel ausübte.
Ratgeber für Ignatius von Loyola — und Teresa von Ávila
Johannes stand in aktivem Briefwechsel mit einem außergewöhnlichen Querschnitt des gegenreformatorischen Spaniens: Bischöfen, Ordensleuten, Priestern und Laien, die ihm schrieben, um geistlichen Rat zu suchen. Zwei dieser Briefpartner waren selbst auf dem Weg zur Heiligsprechung. Er wechselte Briefe mit Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten, und mit Johannes von Ribera, einem weiteren bedeutenden Reformbischof jener Zeit. Am bemerkenswertesten ist seine dokumentierte Beziehung zu Teresa von Ávila, die gezielt Johannes' Rat zu ihren eigenen geistlichen Schriften suchte — genau jenen Texten, die sie Jahrhunderte später mit dazu verhelfen sollten, selbst Kirchenlehrerin zu werden. Es ist eine reale, gut belegte Beziehung geistlicher Begleitung, keine spätere Ausschmückung: Eine der einflussreichsten mystischen Schriftstellerinnen ihrer Zeit wandte sich an Johannes von Ávila um Rat zu jenem Werk, das ihr Vermächtnis bestimmen sollte.
Heiliggesprochen, dann zum Kirchenlehrer ernannt
Johannes von Ávila starb 1569, verehrt als Prediger, Reformer und geistlicher Begleiter. Papst Paul VI. sprach ihn am 31. Mai 1970 heilig und erkannte damit formell eine Heiligkeit an, die seine Zeitgenossen bereits in dem Vertrauen gespürt hatten, das so viele von ihnen in ihn setzten. Mehr als vier Jahrzehnte später, am 7. Oktober 2012 — dem Rosenkranzfest —, erklärte Papst Benedikt XVI. Johannes zum Kirchenlehrer, ein Titel, der jenen vorbehalten ist, deren Schriften und Lehre das Glaubensverständnis der Kirche dauerhaft geprägt haben. Er erhielt den Titel in derselben Zeremonie wie Hildegard von Bingen, eine weitere überragende geistliche Schriftstellerin, die am selben Tag geehrt wurde. Sein Gedenktag wird am 10. Mai begangen, und er wird heute als Patron des spanischen Diözesanklerus verehrt — ein passendes Patronat für einen Priester, dessen größtes Vermächtnis vielleicht der Rat ist, den er still und brieflich denjenigen gab, die ihn am dringendsten brauchten.






