Der Pfau: Ein uralter Vogel der Unsterblichkeit

Antike Naturkundler glaubten etwas Seltsames über Pfauen: dass ihr Fleisch niemals verweste. Plinius der Ältere hielt diese Behauptung im 1. Jahrhundert in seiner Naturkunde fest, und ob nun tatsächlich ein Römer sie prüfte, indem er Pfauenfleisch verrotten ließ oder nicht, der Glaube verbreitete sich weit genug, dass frühchristliche Schriftsteller ihn aufgriffen und weiterführten — und einen exotischen, teuren Vogel, der bereits mit königlichem Luxus assoziiert wurde, in eines der beständigsten visuellen Symbole der Auferstehung und des ewigen Lebens der gesamten christlichen Kunstgeschichte verwandelten.

Ein Vogel, den Rom liebte, bevor es die Kirche tat

Lange bevor Christen den Pfau als religiöses Symbol übernahmen, war er in der römischen Welt bereits ein geschätzter und teurer Vogel, aus dem fernen Osten importiert und mit Luxus, königlicher Zurschaustellung und, über seine Verbindung zur Göttin Juno in der römischen Mythologie, mit einem erhabenen, fast jenseitigen Status assoziiert. Sein leuchtender, schillernder Schwanz, der sich jedes Jahr vollständig mausert und noch prächtiger nachwächst, machte ihn im gesamten antiken Mittelmeerraum zu einem naheliegenden Motiv für Künstler, lange bevor sich ihm eine spezifisch christliche Bedeutung anheftete. Als die christliche Kunst in den ersten Jahrhunderten nach Christus ihr eigenes visuelles Vokabular zu entwickeln begann, stand der Pfau bereits als reiches, erkennbares Bild zur Verfügung — es brauchte nur eine neue Bedeutungsschicht über die alte gelegt zu werden.

Eine geschnitzte Marmorsarkophagtafel, die zwei Pfauen zeigt, die einen Brunnen flankieren, ein verbreitetes frühchristliches Symbol für Auferstehung und ewiges Leben.

Pfau-Sarkophag, Basilika San Vitale, Ravenna, 5.-6. Jahrhundert n. Chr. Foto von Sharon Mollerus — CC BY 2.0.

Der Glaube, der alles änderte: unverwesliches Fleisch

Die konkrete Behauptung, die dem Pfau seine christliche Bedeutung verlieh, stammt aus der Naturkunde, nicht der Theologie. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere hielt in seiner Naturkunde aus dem 1. Jahrhundert einen Glauben fest, wonach Pfauenfleisch nach dem Tod dem Verfall widerstehe, eine ungewöhnliche Eigenschaft im Vergleich zu anderem Fleisch. Jahrhunderte später griff der heilige Augustinus dieselbe Behauptung in seinem Hauptwerk Vom Gottesstaat auf und beschrieb, wie er persönlich gekochtes Pfauenfleisch geprüft hatte und feststellte, dass es weit länger als erwartet unverdorben blieb, und bot diese Beobachtung als kleinen, konkreten Beleg zur Stützung des Glaubens an die Auferstehung des Leibes an. Das ist eine dokumentierte Passage aus Augustinus' eigenen Schriften, keine spätere über ihn erfundene Legende — und sie zeigt einen wahrhaft einflussreichen christlichen Theologen, der eine gewöhnliche naturkundliche Behauptung für zitierwürdig in einem ernsten Argument über die Auferstehung hielt.

Warum die Symbolik sich hielt

Sobald diese Verbindung hergestellt war, verstärkten die anderen Eigenschaften des Pfaus sie auf natürliche Weise. Seine jährliche Mauser und das Nachwachsen noch prächtigerer Schwanzfedern boten eine visuelle Parallele zu Erneuerung und Wiedergeburt, während seine bereits in der klassischen Mythologie etablierte Verbindung mit Unsterblichkeit christlichen Künstlern ein Symbol gab, das nicht aus dem Nichts erfunden werden musste — nur neu gedeutet. Als die christliche Kunst ihre unverwechselbare Ikonografie für Grabkontexte entwickelte, passte der Pfau naheliegend neben andere Auferstehungssymbole wie den Phönix, ausführlicher behandelt unter der Phönix als christliches Symbol, jedes davon schöpfend aus antiken naturkundlichen Glaubensvorstellungen, um eine dezidiert christliche Hoffnung zu veranschaulichen.

Wo das Symbol in der frühchristlichen Kunst erscheint

Pfauen tauchen umfangreich in der frühchristlichen und byzantinischen Bildkultur auf: in Sarkophage gemeißelt als Zeichen der erhofften Auferstehung des Verstorbenen, in Katakombenfresken gemalt und in aufwendige Boden- und Wandmosaike in Kirchen von Rom bis Ravenna eingearbeitet. Eine besonders verbreitete Komposition zeigt zwei Pfauen, die sich symmetrisch zu beiden Seiten eines Kelchs, Kreuzes oder des Lebensbaums gegenüberstehen, eine Paarung, die die Vögel zu flankierenden Wächtern eines zentralen Symbols ewigen Lebens macht. Die Mosaike von Ravenna, Italien — unter den bestbewahrten Beispielen frühbyzantinischer Kunst weltweit — enthalten mehrere bemerkenswerte Pfauenbilder aus dem 5. und 6. Jahrhundert und geben heutigen Betrachtern unmittelbaren Zugang zu genau jener Bildsprache, die Augustinus und seine Zeitgenossen wiedererkannt hätten.

Eine Bedeutung, die sich später wandelte und abschwächte

Nicht jede spätere Verwendung des Pfaus in christlich geprägter Kunst trägt dasselbe positive Gewicht. Bis zum Mittelalter hatte auch die weltliche moralische Literatur begonnen, die prahlerische Schwanzentfaltung des Pfaus mit Eitelkeit und Stolz zu verbinden, eine Bedeutung, die weitgehend getrennt von und später als seine frühere Auferstehungssymbolik entstand. Beide Bedeutungen bestehen seither je nach Kontext nebeneinander — ein Pfau in einem frühchristlichen Mosaik liest sich sehr anders als ein Pfau in einer späteren moralisierenden Darstellung der Todsünden —, was man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man das Erscheinen des Vogels in einem bestimmten Kunstwerk deutet, statt eine einzige feste Bedeutung über die gesamte christliche Kunstgeschichte hinweg anzunehmen.

Die „hundert Augen" und eine zweite Bedeutungsschicht

Über die Unverweslichkeit hinaus trägt der Pfauenschwanz ein zweites Bild, auf das christliche Schriftsteller ebenfalls zurückgriffen: das Muster augenähnlicher Flecken, die jede Feder bedecken. In der älteren griechisch-römischen Mythologie wurden diese „Augen" als die hundert Augen des Riesen Argus erklärt, die Juno nach Argus' Tod auf den Pfauenschwanz setzte — eine Geschichte ohne jeden christlichen Gehalt, die jedoch ein visuelles Motiv hinterließ, das christliche Ausleger in eigenem Recht nützlich fanden. Wachsamkeit, Achtsamkeit und die Vorstellung einer alles sehenden Gegenwart wurden in dieselben Federn hineingelesen, die bereits die Auferstehungsassoziation trugen, was dem Vogel eine doppelte symbolische Ladung gab: ein Geschöpf, dessen Fleisch nicht verwest und dessen Gefieder ganz buchstäblich zu wachen scheint. In mancher späteren Kirchenausstattung ist der Pfauenschwanz gezielt stilisiert, um genau dieses Augenmuster hervorzuheben, wodurch das Wachsamkeitsmotiv über die ältere, von Plinius und Augustinus überkommene Unverweslichkeitssymbolik gelegt wird.

Ihre bleibende andächtige Präsenz

Wenngleich heute weit seltener als das Kreuz, die Taube oder der Fisch, bewahrt der Pfau seine Auferstehungssymbolik in mancher andächtigen und liturgischen Kunst, besonders in Kontexten, die unmittelbar auf frühchristliche und byzantinische visuelle Traditionen zurückgreifen. Sein Fortbestehen über fast zweitausend Jahre, verwurzelt in einem Stück römischer Naturkunde, das sich wissenschaftlich als irrig erwies, erinnert daran, wie frühchristliche Symbolik oft funktionierte: nicht durch die Erfindung völlig neuer Bilder, sondern durch das Finden einer frischen, hoffnungsvollen Bedeutung in dem, was die umgebende Kultur bereits glaubte.

Trivia

Warum verbanden frühe Christen den Pfau mit der Auferstehung?
Die Verbindung geht auf einen antiken, vom römischen Naturkundler Plinius dem Älteren festgehaltenen Glauben zurück, wonach Pfauenfleisch nach dem Tod nicht verweste. Frühchristliche Schriftsteller, darunter der heilige Augustinus, griffen diesen Glauben unmittelbar auf und nutzten ihn als natürliche Analogie für körperliche Unverweslichkeit und Auferstehung, wodurch der Pfau auf dieser Grundlage in die christliche Symbolik einging.
Schrieb der heilige Augustinus tatsächlich darüber, dass Pfauenfleisch nicht verwest?
Ja. In seinem Werk Vom Gottesstaat beschreibt Augustinus, wie er die Behauptung selbst mit gekochtem Pfauenfleisch prüfte, das sich weit über den Zeitpunkt hinaus, an dem anderes Fleisch verdorben wäre, als unverdorben erwies, und bietet diese Beobachtung als kleinen, konkreten Beleg zur Stützung des Glaubens an die Auferstehung des Leibes an. Dies ist eine dokumentierte Passage aus Augustinus' eigenen Schriften, keine spätere über ihn erfundene Legende.
Was bedeutet es, wenn ein Pfau in der christlichen Kunst mit vollständig entfaltetem Schwanz gezeigt wird?
Die Schwanzfedern eines Pfaus, die sich jedes Jahr mausern und noch prächtiger nachwachsen, wurden von frühen Christen als natürliches Bild von Erneuerung und Wiedergeburt gelesen. Zusammen mit der Tradition des unverweslichen Fleisches verstärkte der vollständig entfaltete Schwanz die Verbindung des Vogels mit Auferstehung, ewigem Leben und dem wiederhergestellten, verklärten Leib, den die christliche Lehre verheißt.
Wo kann man frühchristliche Pfauendarstellungen heute noch sehen?
Pfauen erscheinen umfangreich in frühchristlicher und byzantinischer Mosaikkunst, darunter mehrere in Ravenna, Italien, sowie auf Sarkophagen, in Katakombenmalereien und in späterer mittelalterlicher Kirchenausstattung, häufig symmetrisch zu beiden Seiten eines Kelchs, Kreuzes oder Lebensbaums gepaart.
Ist das Pfauensymbol in der christlichen Kunst mit Eitelkeit oder Stolz verbunden, wie es in manchen anderen Traditionen der Fall ist?
Diese negative Assoziation entwickelte sich später und gesondert, größtenteils in mittelalterlicher moralischer Literatur und weltlicher Kunst, die die Eitelkeit des Pfaus thematisierten. In der frühchristlichen Kunst speziell war die vorherrschende und früheste Bedeutung positiv, mit Unverweslichkeit und Auferstehung verbunden, wenngleich beide Bedeutungen in unterschiedlichen Zusammenhängen der christlichen Kunstgeschichte nebeneinander bestanden haben.
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