Das Fest der Taufe des Herrn

Ein Fest über das Ereignis, nicht dessen Nacherzählung
Man könnte meinen, das Fest der Taufe des Herrn sei einfach der Tag, an dem die Kirche die Evangelienerzählung von Jesu Taufe vorliest. Das stimmt zum Teil — die Evangelienstelle wird an diesem Tag tatsächlich in der Messe verkündet —, doch das Fest selbst leistet mehr als die bloße Wiederholung einer den meisten Kirchgängern bereits vertrauten Geschichte. Es markiert einen liturgischen Wendepunkt, schließt eine Zeit und eröffnet eine neue, und es zieht aus der Szene am Jordan eine theologische Bedeutung, die über die reinen Handlungsdetails jenes Tages hinausgeht. Wer die Geschichte selbst nachlesen möchte — Johannes' anfängliche Weigerung, Jesus zu taufen, den sich öffnenden Himmel, die Stimme von oben —, findet sie ausführlich in Die Taufe Jesu. Dieser Artikel bleibt bei einer anderen Frage: Was feiert die Kirche eigentlich, wenn sie dieses Fest begeht, und warum an dieser Stelle im Kalender und nicht anderswo?
Piero della Francesca, Die Taufe Christi, um 1448-1450, National Gallery, London — gemeinfrei.
Die Angel, an der die Weihnachtszeit schließt
Im gegenwärtigen römischen Kalender fällt das Fest der Taufe des Herrn auf den Sonntag nach dem Hochfest Erscheinung des Herrn und erfüllt dabei eine klare strukturelle Aufgabe: Es ist der letzte Tag der Weihnachtszeit. Am folgenden Tag wechselt die Kirche in den Jahreskreis, und Lesungen, liturgische Farben und die gesamte liturgische Stimmung ändern sich entsprechend. Diese Platzierung ist kein Zufall. Die Weihnachtszeit beginnt mit der Feier einer Geburt in Bethlehem und endet, rund dreißig Jahre später in der Zeitrechnung der Evangelien, mit der Feier des Auftretens derselben Person als erwachsener Mann zu Beginn seines öffentlichen Wirkens. Die Festzeit erzählt damit im Grunde die Geschichte der Menschwerdung von ihrem verletzlichsten Anfang bis zu dem Moment, in dem Christus vollständig in seine Sendung eintritt.
So war der Kalender nicht immer geordnet. In den frühesten Jahrhunderten der Kirche, bevor sich Weihnachten zu der ausgedehnten Festzeit entwickelt hatte, die es später wurde, waren drei unterschiedliche Ereignisse — der Besuch der Sterndeuter, die Taufe und das Wunder bei der Hochzeit zu Kana — unter dem einen Fest Erscheinung des Herrn zusammengefasst. Jedes galt als eigene «Manifestation» (vom griechischen Wortstamm hinter «Epiphanie», das ein Offenbarwerden oder Sich-Zeigen bezeichnet) davon, wer Christus wirklich war — gerichtet an unterschiedliche Adressaten: die Sterndeuter stehen für die Völker der Heiden, die Taufe offenbart ihn Israel durch das Wirken des Johannes, und Kana zeigt seine Macht den eigenen Jüngern. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte trennte sich der liturgische Kalender allmählich in eigenständige Feiern für diese drei Momente, doch die Platzierung der Taufe unmittelbar nach Erscheinung des Herrn bewahrt bis heute einen Widerhall jener älteren, einheitlichen Logik.
Was das Fest über das Sakrament aussagt
Das theologisch bedeutsamste Element des Festes ist die Verbindung, die es zwischen Christi eigener Taufe und dem Sakrament herstellt, das die Kirche bis heute spendet. Der Katechismus spricht dies unmittelbar an: Jesus sei «in die Wasser des Jordan hinabgestiegen», nicht weil er von irgendeiner Sünde zu reinigen gewesen wäre, sondern um durch diesen Abstieg in das Wasser eben dieses Wasser zu heiligen und es «zum passenden Werkzeug für das kommende Sakrament» zu machen (KKK 1223-1224, sinngemäß nach der ausführlicheren Darstellung des Katechismus). Mit anderen Worten: Das Fest gedenkt nicht nur eines einmaligen historischen Ereignisses — es zieht eine unmittelbare theologische Linie von jenem einen Jordanufer bis zu jedem Taufbecken in jeder Pfarrkirche seither. Das gewöhnliche Wasser, mit dem heute ein Kind getauft wird, trägt nach katholischer Lehre eine Verbindung zu genau diesem Moment in sich.
Aus diesem Grund wird das Fest in Pfarreien, die regelmäßig Kindertaufen feiern, häufig genutzt, um Taufen zu spenden oder die Taufversprechen in der Gemeinde zu erneuern. Der Festkalender erinnert also nicht bloß abstrakt an ein vergangenes Ereignis — er lädt die versammelte Gemeinde ein, die eigene Taufe im Licht der Taufe Christi zu betrachten und dessen Hinabsteigen in den Jordan als das Urbild zu verstehen, auf dem die eigene sakramentale Identität aufbaut.
Ein stiller, aber entscheidender Moment im Ablauf der Evangelien
Innerhalb der Evangelienerzählungen selbst fungiert die Taufe strukturell als klarer Startschuss für das öffentliche Wirken Jesu. Vor dieser Szene bieten die Evangelien nur vereinzelte Episoden aus seinem frühen Leben — die Kindheit, die Flucht nach Ägypten, einen Bericht über ihn als Zwölfjährigen im Tempel — und dann eine lange, kaum dokumentierte Zeit des Erwachsenenlebens. Nach der Taufe beginnt das Wirken im eigentlichen Sinn: Bei Matthäus folgt unmittelbar die Versuchung in der Wüste, dann die Berufung der ersten Jünger, die frühen Wunder und die öffentliche Verkündigung, die den Rest der Evangelien füllt. Das Fest, das genau an diesem Angelpunkt des Kirchenjahres steht, spiegelt den Angelpunkt, an den es im inneren Aufbau des Evangeliums selbst erinnert.
Diese Entsprechung verdient eigene Beachtung. Der liturgische Kalender ordnet Gedenktage vergangener Ereignisse nicht nur aus Gründen der Ordnung ungefähr chronologisch an — er ist häufig so aufgebaut, dass die Gestalt des Kalenders selbst die Gestalt der erzählten Geschichte widerspiegelt. Weihnachten bewegt sich innerhalb weniger Wochen im Jahresrhythmus der Kirche vom verletzlichen Säugling zum sendungsbereiten Erwachsenen und verdichtet damit dreißig verborgene Jahre im Leben Jesu auf eine Festzeit, die kurz genug ist, dass die Gemeinden die Dynamik dieses Übergangs spüren können, statt nur davon zu hören.
Eine Zeit schließt, eine andere beginnt
Wenn das Fest der Taufe des Herrn endet, endet damit auch der gesamte Weihnachtsfestkreis. Am folgenden Montag tritt die Kirche in die erste Woche im Jahreskreis ein, und die liturgische Farbe wechselt von Weiß zurück zu Grün. Für eine Festzeit, die mit Hirten, Engeln und einem neugeborenen Kind begann, ist das ein auffallend zurückhaltender Abschluss — kein prunkvolles Schlussfest, nur eine stille Szene am Flussufer, und dann setzt sich der gewöhnliche Rhythmus des Kirchenjahres fort. Diese Zurückhaltung passt zu dem, woran hier erinnert wird: Auch die Evangelienberichte selbst inszenieren die Taufe mit bemerkenswert wenig äußerem Drama — ein Mann, der im Wasser steht, während sich, fast unsichtbar, etwas Gewaltiges am Himmel über ihm ereignet.
Trivia
Was ist das Fest der Taufe des Herrn?
Wie unterscheidet sich dieses Fest davon, einfach die Tauferzählung im Evangelium zu lesen?
Warum stellt die Kirche dieses Fest direkt nach Erscheinung des Herrn?
Warum verbindet die katholische Lehre dieses Fest mit dem Sakrament der Taufe?
Ersetzt das Fest die Lektüre der Tauferzählung im Evangelium?






