Die Himmelfahrt Jesu: Warum die Jünger weiter zum Himmel starrten
Vierzig Tage voller Beweise
Die Apostelgeschichte beginnt genau dort, wo das Lukasevangelium endet – der Verfasser, traditionell als Lukas identifiziert, richtet beide Bücher an dieselbe Person, Theophilus, und behandelt sie als einen fortlaufenden Bericht. Apostelgeschichte 1,3 fasst die Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt in einem einzigen, dichten Satz zusammen: Jesus "hat nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen."
Giacomo Cavedone, Himmelfahrt Christi, um 1640. Gemeinfrei, LACMA, Wikimedia Commons.
Vierzig Tage ist eine Zahl, die in der gesamten Schrift Gewicht trägt – die Flut, Mose auf dem Sinai, Israels Wanderung durch die Wüste, Jesu eigenes Fasten in der Wüste. Hier markiert sie eine anhaltende Zeitspanne, in der der auferstandene Jesus seinen Anhängern wiederholt erscheint, nicht als einzelnes, überwältigendes Ereignis, sondern als ausgedehnte, bewusste Bestätigung, dass er wirklich lebte, wirklich leiblich gegenwärtig war und kein Geist, keine Erscheinung.
Ein Auftrag zu warten, nicht zu gehen
Bevor er auffährt, gibt Jesus den Jüngern eine letzte, sehr genaue Anweisung: Bleibt in Jerusalem. Zerstreut euch nicht sofort, um die Nachricht zu verbreiten. Wartet. "Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft" (Apostelgeschichte 1,5). Die Jünger, die noch recht irdisch-politisch denken, fragen ihn direkt: "Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?" – eine Frage nach nationaler Befreiung von der römischen Besatzung.
Jesus beantwortet diese Frage nicht direkt. Stattdessen lenkt er sie vollständig um: "Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde" (Apostelgeschichte 1,7-8). Es ist eine völlige Neurahmung der gesamten Sendung – kein wiederhergestelltes irdisches Reich nach festem Zeitplan, sondern ein weltweites Zeugnis, getragen vom Geist, beginnend genau dort, wo sie standen.
Vor ihren Augen aufgenommen
"Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken" (Apostelgeschichte 1,9). Der Bericht des Lukasevangeliums über dasselbe Ereignis fügt hinzu, dass Jesus sie hinausführte in die Nähe von Betanien, in der Nähe des Ölbergs, seine Hände erhob und sie segnete, und "während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben" (Lukas 24,50-51). Die Wolke ist ein Detail, das Beachtung verdient – im Alten Testament kündigt eine Wolke häufig die Gegenwart Gottes an (am Sinai, über der Stiftshütte, in Daniels Vision von "einem wie einem Menschensohn", der auf den Wolken des Himmels kommt). Ihr Erscheinen hier markiert die Himmelfahrt als Eintritt in Gottes eigene Herrlichkeit, nicht bloß als Abschied.
"Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?"
Was als Nächstes geschieht, ist das Detail, das der Geschichte ihren menschlichsten Moment verleiht. Die Jünger starren verständlicherweise weiter hinauf zu dem leeren Himmel, in dem Jesus gerade verschwunden war. "Da standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen" – in der christlichen Tradition als Engel verstanden, dieselbe Art von Gestalten, die am leeren Grab erschienen waren – und fragten sie, nicht unfreundlich, aber pointiert: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen" (Apostelgeschichte 1,10-11).
Die Botschaft tut zwei Dinge zugleich. Sie verheißt Christi endgültige Wiederkunft – die Grundlage für den späteren christlichen Glauben an das Zweite Kommen – und sie lenkt die Jünger weg vom passiven Starren, zurück zu der Sendung, die ihnen gerade übertragen worden war. Sie gehorchen: Apostelgeschichte 1,12 berichtet, sie kehrten nach Jerusalem zurück und widmeten sich, wie es in den folgenden Versen heißt, gemeinsam dem Gebet, während sie auf Pfingsten warteten.
Ein Echo Elijas, und ein Abschied ohne Vergleich
Leser, die im Alten Testament bewandert waren, hätten die Umrisse dieser Szene erkannt, noch bevor Lukas seine Schilderung beendet hatte. Der Prophet Elija wird in 2 Könige 2 im Wirbelsturm in den Himmel aufgenommen, während sein Jünger Elischa zusieht, und Elijas Nachfolger bleibt ein sichtbares Zeichen zurück – sein Mantel – als Kennzeichen der nun weitergegebenen prophetischen Vollmacht. Die Himmelfahrt Christi greift dieses Muster lose auf, doch die Unterschiede wiegen schwerer als die Ähnlichkeit: Elija wird von Naturgewalten fortgerissen, die außerhalb seiner Kontrolle liegen, während Jesus aus eigener göttlicher Macht auffährt, bewusst und ruhig, seine Jünger segnend, während er geht. Wo Elischa nur einen fallengelassenen Mantel zum Festhalten bleibt, erhalten die Apostel stattdessen eine unmittelbare Verheißung des kommenden Heiligen Geistes und eine Sendung, die sich bis "an die Grenzen der Erde" erstreckt. Das Echo verweist auf Kontinuität mit der prophetischen Tradition; der Kontrast zeigt etwas wirklich Neues an.
Wie die Kirche den Augenblick dargestellt hat
Die christliche Kunst fand früh eine recht einheitliche Weise, die Himmelfahrt darzustellen: Christus erhebt sich über einer Gruppe von Jüngern, oft nur noch mit den Füßen oder dem Saum seines Gewandes am unteren Rand einer Wolke sichtbar, während die Apostel darunter mitten in einer Geste des Aufblickens verharren. Einige der frühesten erhaltenen Darstellungen finden sich in illuminierten Evangelienhandschriften des fünften und sechsten Jahrhunderts, und die Bildkomposition erwies sich als so beständig, dass barocke Maler wie Giacomo Cavedone, dessen Himmelfahrtsbild als Titelbild dieses Artikels dient, tausend Jahre später im Wesentlichen noch derselben visuellen Logik folgten. Die wiederkehrende Entscheidung, nur Christi Füße im Verschwinden in der Wolke zu zeigen, macht auf subtile Weise einen theologischen Punkt sichtbar: Er verlässt die Erde endgültig, ohne allmählich zu verblassen oder in einem mehrdeutigen Halbabschied zu verweilen.
Was die Kirche über die Himmelfahrt lehrt
Die Himmelfahrt gehört zu den Ereignissen, die in den frühesten Glaubensbekenntnissen der Kirche festgehalten sind – "aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters" findet sich sowohl im Apostolischen als auch im Nizänischen Glaubensbekenntnis. Der Katechismus beschreibt sie als den endgültigen Eintritt Christi in die himmlische Herrlichkeit in seiner Menschheit – kein Verlassen seiner Anhänger, sondern die notwendige Voraussetzung für die Sendung des Heiligen Geistes und für Christi fortwährende Fürsprache für die Menschheit (KKK 659-667). Die Kirche begeht das Ereignis noch heute liturgisch, am Fest Christi Himmelfahrt, traditionell vierzig Tage nach Ostern gefeiert – ein unmittelbares Echo der Zeitspanne, die die Apostelgeschichte selbst festhält.






