Heiliger Raimund von Penyafort, Priester
Ein Anwaltssohn, der die Kirche wählte
Raimund wurde um 1175 nahe Barcelona geboren, in eine katalanische Adelsfamilie, die der späteren Überlieferung nach Verbindungen zum Herrscherhaus von Aragón hatte. Schon früh zeigte er außergewöhnliche Begabung fürs Studium und ließ sich in Bologna, dem damals führenden Zentrum juristischer Bildung Europas, sowohl im weltlichen als auch im Kirchenrecht ausbilden — eine Disziplin, die praktisch alles prägen sollte, was er im weiteren Verlauf seines langen Lebens erreichte. Er lehrte einige Zeit Recht in Bologna, bevor er nach Barcelona zurückkehrte, wo er als Domherr an der Kathedrale wirkte und sich den Ruf eines fähigen, prinzipientreuen Juristen erwarb — nicht bloß eines akademischen Fachmanns.
Tommaso Dolabella, Der heilige Raimund von Penyafort, 1627 — gemeinfrei
In seinen Vierzigern, bereits ein etablierter Rechtsgelehrter mit gesicherter Stellung, traf Raimund eine Entscheidung, die viele in seinem Umfeld überraschte: Er trat dem erst kurz zuvor gegründeten Dominikanerorden bei und wählte das Leben eines Bettelmönchs anstelle der sichereren kirchlichen Laufbahn, die ihm seine juristische Ausbildung bereits eröffnet hatte. Die Dominikaner, ein Predigerorden, den der heilige Dominikus erst wenige Jahre zuvor gegründet hatte, legten großen Wert auf Studium, Predigt und Seelsorge — eine Kombination, die einem Mann entgegenkam, der seine Karriere damit verbracht hatte, komplizierte Texte zu entwirren, und der bald einen weit größeren zu entwirren haben sollte.
Der päpstliche Auftrag: sieben Jahrhunderte Recht ordnen
Als Raimund ins Ordensleben eintrat, war das Kirchenrecht — die Gesamtheit kirchlicher Rechtsentscheidungen zu allem von Eheangelegenheiten bis zur Disziplin des Klerus — bereits zu einem unübersichtlichen Wildwuchs herangewachsen. Päpste und Konzile hatten über Jahrhunderte hinweg Urteile erlassen, und obwohl frühere Gelehrte bereits Teilkompilationen versucht hatten, gab es kein einziges, maßgebliches und wohlgeordnetes Nachschlagewerk. Wer eine konkrete Rechtsfrage klären musste — ein Bischof, ein Richter an einem kirchlichen Gericht, ein Universitätsdozent —, musste sich durch verstreute, mitunter widersprüchliche Quellen ohne verlässliches Register durcharbeiten.
Papst Gregor IX., der Raimund als Beichtvater und Kaplan nach Rom gerufen hatte, erkannte sowohl das Ausmaß des Problems als auch Raimunds außergewöhnliche Eignung, es zu lösen. 1230 beauftragte er ihn mit der Erstellung einer offiziellen, systematischen Zusammenstellung des Kirchenrechts. Das Ergebnis, bekannt als die Dekretalen Gregors IX. oder der Liber Extra, gliederte den Stoff in fünf strukturierte Bücher über Gerichtswesen, Klerus, Ehe, Straftaten und Verfahrensrecht — einen Rahmen, klar genug, dass Juristen in ganz Europa ihn tatsächlich in der Praxis anwenden konnten, statt ihn nur als Nachschlagewerk zu bewundern. 1234 vom Papst promulgiert, wurde er in der gesamten westlichen Kirche verbindliches Recht und blieb fast sieben Jahrhunderte lang offizielle Quelle des Kirchenrechts, bis der erste vollständig moderne Codex des Kirchenrechts ihn 1917 ablöste.
Eine solche Beständigkeit ist bei jedem Gesetzeswerk, weltlich wie kirchlich, selten, und sie sagt etwas darüber aus, wie Raimund an die Arbeit heranging: Er sammelte nicht einfach Dokumente, sondern strukturierte sie tatsächlich so um, dass sie für arbeitende Kleriker und Richter brauchbar wurden, die klare Antworten brauchten, kein Archiv.
Loskauf von Gefangenen und eine missionarische Theologie
Raimunds juristische Arbeit war nicht sein ganzes Wirken. In einer Zeit, in der christliche Gefangene an den umkämpften Grenzen zwischen christlichem und muslimischem Gebiet in Spanien und Nordafrika regelmäßig gefangen genommen und gegen Lösegeld gehalten wurden, engagierte sich Raimund eng in den Bemühungen um ihre Freilassung. Er gilt, gemeinsam mit dem heiligen Petrus Nolascus, als Mitbegründer des Mercedarierordens — offiziell des Ordens Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit zur Erlösung der Gefangenen —, einer Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder ein besonderes zusätzliches Gelübde ablegten: sich selbst als Geiseln im Austausch für Gefangene anzubieten, sollten die Lösegeldmittel ausgehen.
Raimund spielte auch eine stillere, aber folgenreiche Rolle im geistigen Leben der Kirche durch eine Bitte an einen weit jüngeren Dominikaner-Mitbruder: Er bat Thomas von Aquin, ein systematisches Werk zu verfassen, das Missionaren bei der Predigt vor Muslimen und Juden in Spanien dienen könne — eine Bitte, die zur Summa Contra Gentiles des Aquinaten führte. In den meisten Darstellungen von Aquins überragender Laufbahn nur eine kleine Fußnote, doch eine bezeichnende über Raimund selbst — ein Mann weit jenseits seiner eigenen produktivsten Gelehrtenjahre, der Talent in einem jüngeren Kollegen erkannte und es einer konkreten pastoralen Aufgabe zuwies, statt es brachliegen zu lassen.
Führung der Dominikaner, dann Rückzug
1238 wurde Raimund zum Ordensmeister der Dominikaner gewählt, dem Amt, das einst der Ordensgründer selbst innehatte. Er nutzte diese Position, um die Konstitutionen des Ordens zu überarbeiten und zu klären, und übertrug denselben ordnenden Instinkt, den er auf das Kirchenrecht angewandt hatte, auf die Leitung seiner eigenen Ordensgemeinschaft. Doch er hielt das Amt nur kurz — innerhalb von zwei Jahren trat er unter Berufung auf sein fortgeschrittenes Alter zurück und kehrte nach Barcelona zurück, wo er noch mehrere Jahrzehnte weiterarbeitete, predigte und als Beichtvater und Ratgeber diente.
Den meisten Überlieferungen zufolge wurde er fast einhundert Jahre alt, eine für das 13. Jahrhundert außergewöhnliche Lebensspanne, und starb am 6. Januar 1275 in Barcelona. Sein Fest wird im heutigen römischen Kalender am 7. Januar begangen. 1601 wurde er heiliggesprochen, und die Kirche ernannte ihn später zum Patron der Kirchenrechtler und, allgemeiner, der Juristen als Berufsstand — eine Anerkennung, die unmittelbar auf die juristische Arbeit zurückgeht, die einen so großen Teil seines langen Lebens ausfüllte. Wer sich für einen weiteren Kirchenmann interessiert, dessen organisatorisches Talent ein bleibendes institutionelles Erbe hinterließ, findet vielleicht auch Basilius den Großen lesenswert, der vor den Toren von Cäsarea einen ganzen karitativen Gebäudekomplex errichtete — ein ganz anderes organisatorisches Genie, im Dienst derselben Kirche.






