Die Heimsuchung: Als zwei ungeborene Verheißungen sich begegneten

Ein junges Mädchen, dem gerade eröffnet wurde, dass sie den Sohn Gottes empfangen wird, bleibt nicht daheim, um die Nachricht zu verarbeiten. Sie packt und reist "eilends" ins Bergland, um eine ältere Verwandte zu besuchen — und in dem Moment, als sie ankommt, noch bevor eine der beiden Frauen irgendetwas erklärt hat, hüpft ein ungeborenes Kind im Leib seiner Mutter.

Eine Reise in Eile

Das Lukasevangelium bewegt sich rasch von der Verkündigung — der Ankündigung des Engels Gabriel an Maria, dass sie den Sohn Gottes empfangen werde — direkt in Bewegung. "Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,39-40). Die Dringlichkeit in diesem "eilte" ist leicht zu überlesen, doch sie sagt etwas darüber aus, wie Maria auf die Nachricht reagierte, die sie soeben erhalten hatte: nicht mit Rückzug, sondern mit unmittelbarer, tatkräftiger Bewegung auf einen geliebten Menschen zu.

Die Jungfrau Maria besucht ihre Cousine Elisabeth, beide schwanger und umarmt

Domenico Ghirlandaio, "Die Heimsuchung," 1491, Louvre — gemeinfrei.

Elisabet war Marias Verwandte — Lukas nennt sie eine "Verwandte" — und, laut den Worten des Engels an Maria, damals im sechsten Monat einer lange für unmöglich gehaltenen Schwangerschaft; sie und ihr Mann Zacharias, ein Tempelpriester, waren beide bereits alt und kinderlos geblieben. Das Kind, das Elisabet trug, sollte Johannes der Täufer werden. Genau diese Nachricht hatte Gabriel Maria als Zeichen dafür angeboten, dass "für Gott ... nichts unmöglich" sei (Lukas 1,37).

Ein Hüpfen, bevor ein Wort erklärt wurde

Was in dem Moment geschieht, in dem Maria eintrifft, ist eines der eindrücklichsten kleinen Details der Kindheitserzählungen. Noch bevor irgendein Gespräch stattfindet, bevor Maria auch nur etwas über das erzählt hat, was ihr in Nazaret widerfahren ist, geschieht etwas spontan: "Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,41). Der noch ungeborene Johannes, den die christliche Tradition später als denjenigen erinnert, der Jesus "den Weg bereiten" würde, scheint die Gegenwart Christi zu erkennen, bevor jemand ein erklärendes Wort gesprochen hat.

Elisabets Gruß ist selbst prophetisch: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,42-43). Elisabet nennt Marias ungeborenes Kind "meinen Herrn" — eine außerordentliche Erklärung, die das Evangelium so früh platziert, und noch dazu aus dem Mund einer gewöhnlichen älteren Frau, nicht eines Engels. Sie schließt mit einem Satz, den die Kirche seit jeher als Vorbild vertrauenden Glaubens liest: "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,45).

Marias Antwort: Das Magnificat

Marias Antwort auf Elisabets Gruß ist kein bescheidenes Schweigen, sondern Gesang. Ihr Lobgesang, nach seinem lateinischen Anfangswort das Magnificat genannt, beginnt: "Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,46-48).

Das darauf folgende Gebet greift stark auf das Alte Testament zurück — seine Struktur und viele seiner Wendungen erinnern an Hannas Dankgebet nach der Geburt Samuels (1 Samuel 2,1-10), was nahelegt, dass Maria, wie Hanna, tief von Israels eigener Gebetstradition geprägt war und nicht spontan unerhörte Worte sprach. Doch der Inhalt des Magnificat geht über persönliche Dankbarkeit hinaus; er wird zu einer umfassenden Aussage darüber, wie Gott in der Welt handelt: "Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,51-53). Es ist ein Lobgesang über die Umkehrung der Verhältnisse — über einen Gott, der beständig die Demütigen den Mächtigen vorzieht —, gesprochen von einer armen, unverheirateten jungen Frau aus einer unbedeutenden Stadt.

Das Magnificat schließt, indem es diese Umkehrung in Israels eigener Bundesgeschichte verankert: "Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,54-55). Die Kirche betet diesen Lobgesang seit Jahrhunderten täglich als Teil der Vesper — Marias Worte bei diesem einen Hausbesuch gehören damit zu den am häufigsten wiederholten Gebeten der christlichen Geschichte.

Drei Monate, dann nach Hause

Lukas berichtet schlicht: "Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück" (Einheitsübersetzung, Lukas 1,56) — vermutlich bis zur Geburt Johannes des Täufers, bevor sie nach Nazaret zurückkehrte. Das Kapitel geht sogleich zur Erzählung von Johannes' Geburt und Zacharias' eigenem prophetischem Lobgesang, dem Benedictus, über — ein Gegenstück zu Marias Magnificat: zwei Haushalte, zwei unerwartete Schwangerschaften, und zwei Lobgesänge, die innerhalb derselben kurzen Spanne von Lukas' Erzählung ausbrechen.

Die Heimsuchung steht an einem Gelenkpunkt der Evangelienerzählung und verbindet die beiden Empfängnisberichte — den von Johannes und den von Jesus — zu einer einzigen Szene der Erkenntnis, Freude und Prophetie, noch bevor eines der beiden Kinder geboren ist. Für den weiteren Zusammenhang von Marias eigener Geschichte in diesen frühen Kapiteln siehe unseren Artikel über Die Verlobung von Maria und Josef.

Ein Fest und ein wiederkehrendes Bild in der Kunst

Die Kirche begeht dieses Zusammentreffen bis heute liturgisch am Fest Mariä Heimsuchung, das im römischen Kalender am 31. Mai gefeiert wird und Marias eilige Reise ins Bergland ausdrücklich als eigenständiges Ereignis würdigt, getrennt von der Verkündigung und der Geburt Christi. Christliche Künstler haben sich der Szene seit dem Mittelalter immer wieder zugewandt, fast durchweg in derselben Grundkomposition: zwei Frauen, einander in den Armen liegend oder Hand in Hand, ihre schwangeren Leiber deutlich sichtbar, oft begleitet von den Gestalten des Zacharias oder Josefs im Hintergrund. Ghirlandaios Gemälde, das diesen Artikel illustriert, gehört zu den bekanntesten Beispielen dieser Tradition und legt besonderen Wert auf die stille Zärtlichkeit der Begegnung, statt auf ihre übernatürlichen Begleiterscheinungen.

Was diese Szene in der Volksfrömmigkeit so beständig gemacht hat, ist gerade ihre Menschlichkeit: zwei schwangere Verwandte, eine junge, eine ältere, beide von Ereignissen ergriffen, die weit über das hinausgehen, was sie selbst hätten planen können, die sich dennoch die Zeit nehmen, einander in einem gewöhnlichen Haus zu besuchen. Die Heimsuchung erinnert daran, dass die größten Momente der Heilsgeschichte nicht nur in Tempeln oder auf Bergen geschahen, sondern auch in der schlichten Geste, zu jemandem zu reisen, den man liebt, und drei Monate lang bei ihm zu bleiben.

Trivia

Was ist die Heimsuchung in der Bibel?
Die Heimsuchung bezeichnet die Reise der Jungfrau Maria zu ihrer Verwandten Elisabet kurz nach der Verkündigung, überliefert in Lukas 1,39-56. Beide Frauen waren schwanger — Maria mit Jesus, Elisabet mit Johannes dem Täufer —, und die Begegnung umfasst Elisabets vom Geist eingegebenen Gruß sowie Marias Lobgesang, das Magnificat.
Warum besuchte Maria Elisabet?
Das Lukasevangelium nennt Marias genaues Motiv nicht, doch der Text stellt ihre Reise unmittelbar nach die Ankündigung des Engels Gabriel, dass ihre als unfruchtbar geltende Verwandte Elisabet ebenfalls im sechsten Monat schwanger sei (Lukas 1,36). Die Tradition hat Marias Eile seit jeher als Akt der Nächstenliebe und Solidarität gedeutet — sie eilt, um einer älteren Verwandten in den letzten Monaten einer schwierigen Schwangerschaft beizustehen.
Was sagte Elisabet, als Maria ankam?
Vom Heiligen Geist erfüllt, rief Elisabet: 'Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?' (Lukas 1,42-43) — und erkannte damit sowohl Marias einzigartige Rolle als auch die göttliche Identität des Kindes, das sie trug.
Was ist das Magnificat?
Das Magnificat ist Marias Lobgesang während der Heimsuchung, der mit den Worten beginnt: 'Meine Seele preist die Größe des Herrn' (Lukas 1,46-55). Es greift den alttestamentlichen Lobgesang der Hanna auf und feiert Gottes Erbarmen mit den Niedrigen; es ist bis heute ein zentrales Gebet in der täglichen Vesper der Kirche.
Wie lange blieb Maria bei Elisabet?
Lukas 1,56 berichtet: 'Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück' — vermutlich bis etwa zur Geburt Johannes des Täufers, bevor sie nach Nazaret zurückkehrte.
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